Das Geheimnis des Zauberladens

Das Geheimnis des Zauberladens

Bild: pixabay.com/Hans Braxmeier

Christian Mörsch, Silke Kandziora und Claudia Vollmer legen mit dem  Geheimnis des Zauberladens ein erzieherisch wertvolles Kinderbuch vor. Ob das aber den Kindern gefällt?

Die Ziele erreichen

Was haben Eltern für Träume – mögen ihre Kinder schlau werden, erfolgreich und gelassen. Und das wahre Glück finden. Wie gut, dass es da Bücher wie Das Geheimnis des Zauberladens gibt. Es zeigt den jungen Lesern, was sich ihre Eltern für sie wünschen. Und auf welche Werte es im Leben ankommt. Und wie sie ihre Ziele auf verschlungenen Pfaden zwar, aber mit kulturellen Errungenschaften wie der progressiven Muskelentspannung erreichen.

Mit Muskelentspannung

Das ist pfiffig – etwa, wenn die Autoren den beiden Helden des Buches, Merlin und Lena, mit einem fliegenden Zauberteppich ausstatten. Weil der nur fliegt, wenn die Kinder ganz entspannt sind. das ist schwer bei den vielen Abenteuern. Und wie erreicht man das? Eben mit jeder progressiven Muskelentspannung. Den Teppich habe die Kinder – wie alle andere Zauberutensilien auch – auch einem Zauberladen. der wird sichtbar, weil der isländische Vulkan Asche spuckt. Auch eine nette Idee.

Der Entspannungstrainer

Hier und in anderen Episoden des Buches kommt eben in Christian Mörsch der Entspannungstrainer durch. Es ist eine nette Idee, den Nutzen solcher Techniken anhand vieler Abenteuer für Kinder zu erläutern. Ich könnte mir vorstellen, dass Christian Mörsch seinen jungen Klienten erst so eine Geschichte vorliest und dann die Techniken einübt. Sehr schlau, sehr anschaulich und sehr kindgerecht – die Therapiesitzungen auf diese Weise abzuhalten. Aber musste es dann gleich ein Kinderbuch werden?

Für Erwachsene wunderbar

Das Büchlein eignet sich auch wunderbar für Erwachsene – um den Nutzen solcher Techniken für ihre Kinder zu verstehen.

Das Buch lehrt aber noch mehr. Es vermittelt auch gute Tugenden. Nehmen wir Blackbeards Schatz. Lena und Merlin stolpern in ein Antiquariat der Sieben Meere. Und finden die Schatzkarte des berüchtigten Piratenkapitäns. Deren Inhalt offenbart sich überhaupt nur den Auserwählten – also sind das ausgerechnet die beiden Kinder, sehr zur Verwunderung des Ladeninhabers. Er gibt ihnen die Karte, sie finden auf verschlungenen Pfaden zur Schatzkiste. Und was ist drin? Ein Pergament. Darauf steht, dass der größte Schatz die Freundschaft ist. Die Kinder sollten sie hegen und pflegen.

Ist das spannend für Kinder?

Schön, denken wir da. Nobel. Aber reißt das wirklich einen Zehnjährigen vom Hocker? Blackbeard ist nun mal berüchtigt als Pirat; und seine Schätze, die er zusammengekratzt hat, dürften durchaus beträchtlich gewesen sein. Jetzt den Kindern zu vermitteln, dass das alles nicht so wichtig war – das können Sie vergessen. Lockt kein Kind hinter dem Ofen hervor. Freunde haben fast alle – aber ein Schatz? Das wäre doch was!

Idee ist nicht schlecht

Dabei ist die Idee nicht schlecht. Man müsste sie den Kindern nur besser vermitteln. Etwas ein Buch schreiben, das sich auf Blackbeards Schatz beschränkt; und von mir aus nur auf den Zauberteppich, mit dem die Kinder dorthin gelangen. Und dann eine Geschichte entwickeln, wie der raffgierige Pirat eines Besseren belehrt wird – dass eben die Freundschaft viel wichtiger ist als Geld. Das können die Kinder auf ihrer Zeitreise miterleben. Dann akzeptieren sie auch die leere Kiste mit dem Pergament und der Weisheit, dass Freundschaft wichtiger ist als Geld.

Sonst ist das eben nur ein pädagogische Gutmenschen-Kasperle, das urplötzlich aus der Kiste springt und die Kinder überrumpelt.

Geheimnis des Zauberladens – ein Elternwunschbuch

Es ist also ein Elternwunschbuch. Es zeigt, was sich Eltern für ihre Kinder wünschen sollen. Und vielleicht auch, was sich die Kinder wünschen sollen. Aber nicht, was sich die Kinder wirklich wünschen.

Es ist – bei aller eleganten Ideenfülle – eher ein pädagogischer Schinken. Wie es die Kinderbücher damals waren, ehe es Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga und Karlsson vom Dach gab. Denn die haben die ganze Kinderbuchschreiberei von der vermufften Sonntagsschulenkanzel geholt und kräftig durchgeschüttelt; mit ihrer Anarchie, ihrer Frechheit, ihren langen Nasen, die sie den Erwachsenen drehten. Das war ein Befreiungsschlag. Und deshalb lieben Kinder solche Kinderbücher.

Wunderschöne Märchenbücher

Das Engagement des Autorentrios ist aller Ehren Wert. Es ist ein wunderschönes Buch für Erwachsene entstanden, die ihren Kindern von den Segnungen eines entspannten Lebens erzählen wollen. Und es ist ein Märchenbuch, das erwachsene Leser durchaus genießen können. Denn damit kennt sich Christian Mörsch aus – hat er doch wunderschöne Märchenbücher geschrieben; mit kurzen Geschichten. Und sein Kater Purzel ist zudem auch schöne Kinder-Literatur. Dort schöpft er alle seine Möglichkeiten aus.

Christian Mörsch, Silke Kandziora, Claudia Vollmer,  Das Geheimnis des Zauberladens,

Gebundene Ausgabe: 176 Seiten, Schweitzerhaus Verlag, ISBN-10: 3863320131, ISBN-13: 978-3863320133, 12,50 Euro, als Kindle-Edition 10,68 Euro.

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

Kommentar verfassen