Michael Ende, Die Zauberschule im Wünschelreich

Zauberschule

Bild: pixabay.com/Unsplash

Michael Ende kennt ein Land, in dem das Wünschen noch hilft – und er erzählt, wie das funktioniert.

Als das Wünschen noch geholfen hat

Das Wünschelreich ist ein besonderes Land – es ist genau das, wovon die alten Märchen erzählen. Nur ist es bei ihnen eine Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hatte. Hier, bei Ende, ist es ein reich. Ein verborgenes, das niemand erreichen kann, obwohl es doch gar nicht so schrecklich weit von unserem Land entfernt liegt. Vielleicht liegt es auch direkt in unserem Land – aber nur wenige wissen, wie sie dorthin gelangen. Man kommt nämlich nur ins Wünschelreich, wenn man eingeladen wird.

Unaufgeregte Geschichte

Der Erzähler dieses wunderschön unaufgeregten Büchleins hatte die Ehre, dorthin eingeladen zu werden. Und er berichtet von seinen Erlebnissen dort. Vor allem geht es erst einmal dar um, was in der Zauberschule des Wünschelreiches geschieht. Das erfährt der Erzähler, weil er die Zwillinge Mug und Mali kennen lernt, die beide in die erste Klasse der Schule gehen.

Ihr Lehrer, Herr Silber, erklärt den Kindern geduldig, worum es beim Zaubernlernen wirklich geht. Nein, nicht darum, irgendwelche Sprüche auswendig zu lernen und mit einem Zauberstab mit seltsamem Innenleben herumzufuchteln – nein, es geht darum, seine geheimen Wünsche zu ergründen.

Mögliche Wünsche

Man kann nur wünschen, was zu seinem Leben passt
Lehrer Silbers Leitsätze: „Du kannst nur wirklich wünschen, was du für möglich hältst. Du kannst nur das für möglich halten, was zu deiner Geschichte gehört. Und nur das gehört zu deiner Geschichte, was du in Wahrheit wünschst.“ Das ist natürlich gar nicht so einfach heraus zu bekommen, und die Kinder brauchen auch eine Weile, bis sie in allen Einzelheiten das wirkliche Wünschen beherrschen.

Das ist schön ausgefeilt und ein echter Ende – der seine Bücher immer mit einem strahlenden Kern echter humanistischer Denkungsart versieht. Das mag für Erwachsene manchmal ein wenig starker Tobak sein (etwa, wenn Jim Knopf im Handumdrehen zum Heiligen wird) – aber die Geschichten sind ja immer wunderhübsch geschrieben, und so verzeiht man alles.

Wunderschönes Parlando über die Zauberschule

Hier ist es dann so, dass in dem Wünschen, das sich zum eigenen Leben fügt, auch schon die Botschaft des Büchleins steckt. Das ist ein wenig einfach gestrickt und ohne weitere Action auf den ersten Blick vielleicht ein wenig dünne. Aber das Büchlein ist in einem wunderschönen Parlando geschrieben, das ein wenig an die alten Meistererzähler erinnert – und so lässt sich der Leser gerne durch die Geschichte treiben, in der so rein gar nichts wirklich Entscheidendes geschieht – außer, dass Kinder ihre wahren Wünsche erfahren und darüber das Zaubern lernen.

Ein bisschen Monster

Und man verzeiht dem Autor auch, dass die Kinder eine Menge Zauberkunststücke lernen müssen (Sachen herbei und wegwünschen, sich unsichtbar machen, Wesen erschaffen) – die alle wohl nicht so ganz in ein einziges Kinderleben als Kern des Wünschens passen.

Aber auch das ist egal.

Am Schluss entgleitet noch ein gemeinsamer Zauber, und ein Monster tritt kurzfristig auf – richtet aber keinen weiteren Schaden an.

Und der Erzähler verabschiedet sich, um die Erkenntnis reicher, dass zum Zaubern das richtige Wünschen gehört – aber auch das hilft dem Leser: Denn der erkennt, dass er eigentlich auch zaubern kann; zumindest wird nur wahr, was er sich sehnlich wünscht, und was zu seinem Leben passt. Damit ist dann das Wünschelreich endgültig in der gegenwärtigen Alltagswelt angekommen.

Michael Ende/Kathrin Treuber, Die Zauberschule im Wünschelreich, Thienemann Verlag, ISBN 978-3522172820, 7,84 Euro.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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