Lionel Tiger sieht den Mann als Auslaufmodell. Ist er das?

Auslaufmodell Mann

Bild: pixabay.com/Petra

Schlechte Karten für den Mann. Wenn es nach Lionel Tiger geht, Anthropologe an der Rutgers Universty (New Jersey, USA), ist der „erste Fehler“ der Evolution, vulgo Mann genannt, ziemlich am Ende. Ist er das?

Zeichen des Niedergangs

Überall Zeichen für den Niedergangder männlichen Herrschaft. Der Feminismus hat nicht nur die Frauen befreit, er bringt sie auch langsam und unaufhaltsam in die Führungspositionen unserer Gesellschaften.

Der Mann taugt nichts
. Klar, er ist ja auch das Auslaufmodell Mann

Mehr noch: Der Mann ist mittlerweile weder als Erzeuger, noch als Ernährer oder Vater wichtig. Was bleibt also? Nichts, das Ende des Mannes ist nahe. Nun ist das mit amerikanischen Sachbüchern so eine Sache. Sie sind oft derart überspitzt, dass ihre Thesen uns schwindelig machen. Sie übertreiben, um am Markt abzuräumen. Aber sie schütten das Kind mit dem Bad aus, ihrer wahrer Kern wird dabei leicht übersehen.

Sind Frauen in einer Vormachtstellung?

Erstens ist zweifelhaft, ob sich überall künstliche Befruchtung und das Modell Alleinerziehende durchsetzen wird. Es wird immer Frauen geben, die im Mann weder den den Feind, noch den Trottel sehen – sondern, wenigstens zeitweilig, den Partner. Zweitens gelten Tigers Thesen vielleicht ansatzweise für Amerika. Schon in Europa sieht das anders aus. Von einer sich abzeichnenden Vormachtstellung der Frau sind wir meilenweit entfernt. Frauen in Führungspositionen sind immer noch selten. Und was unternimmt unsere Gesellschaft, um Alleinerziehenden eine halbwegs gut bezahlte Arbeit zu ermöglichen? Wenig bis gar nichts. Eine Gesellschaft (und nicht nur eine Regierung), die es als Errungenschaft feiert, wenn sie Hartz-IV-Empfängern fünf Euro um Monat mehr zuschustern will (nach jahrelange Stillstand), ist für jedes soziologische Zukunftmodell noch lange nicht reif genug.



Spinnen wir Tigers Faden einmal weiter mit dem Auslaufmodell Mann

Und was müssen wir da über Gesellschaften in Asien oder Afrika sagen? Da wird noch viel Zeit vergehen, ehe der Mann dort abdankt.
Spinnen wir andererseits Tigers Faden einmal weiter – weinen wir wirklich der mörderischen Herrschaft des Mannes eine Träne nach? Ist die Welt nicht in einem erbärmlichen Zustand – wegen des Mannes? Wenn es denn so wäre, dass die Frauen die Herrschaft an sich reißen – sollen sie doch. Schlechter als die Männer werden sie auch nicht wirtschaften. Im Gegenteil. Wenn der Mann seine Vormachtstellung verliert, schreckt mich das keineswegs.


Lionel Tiger, Auslaufmodell Mann, Die neuen Rollen von Frau und Mann in der modernen Gesellschaft, Deuticke Verlag, Wien, 404 Seiten, ISBN-10 3216305201, ISBN-13 978-3216305206

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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