Lindgren, Astrid: Kindertheaterstücke

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Ein Wiedersehen mit Pippi, Karlsson und Michel gibt es in dem Buch von Lindgrens Theaterstücken. Super!

Bekanntes von Astrid Lindgren

Das Buch versammelt vier bekannte Geschichten der besten Kinderbuchautorin der Welt – Astrid Lindgren. Auch im Theaters entfalten sie ihren ganzen Charme.
Wer sich mit den Theaterstücken von Astrid Lindgren befasst, fragt sich zu Beginn unwillkürlich: Wirken diese Geschichten auch auf der Theaterbühne? Dass sie zum Lesen taugen, das müssen wir nicht mehr betonen. Millionen verkaufter Kinderbücher sprechen da eine deutliche Sprache. Und wie reizvoll die Verfilmungen sind, wissen wir auch – sei es bei Karlsson, sei es bei Michel von Lönneberga, sei es bei Pippi Langstrumpf.

 

Wie ist das mit dem Theater?

Was aber ist mit dem Theater? Da braucht es, Hokus Pokus, nur wenige Sätze, und die Leser sind schon wieder drin in den Geschichten. Pippis ganzer anarchischer Charme wird lebendig, ihre hanbüchenen und doch so sympathischen Lügen, ihre Wurstigkeit der Welt der Erwachsenen gegenüber, ihre Bärenkräfte. Davon träumen Kinder schon immer. Alles, was die Leser schon von Buch und Film kennen, findet sich hier wieder – wenn auch in etwas gestraffter Form. Doch, man Merkt das gar nicht. Das Theaterstück ist so rund, dass man sich fragt: Was ist denn jetzt weggelassen?

Lindgren schrieb selbst
Aber man merkt halt, dass die Autorin selbst das Stück geschrieben hat – ein bisschen eingedampft, das tut selbst einem Klassiker wie Pippi gut.
Und so geht das mit allen anderen Geschichten auch – obwohl, beim sympathischen Aufschneider Karlsson vom Dach sind sogar Szenen hinzugekommen. In beiden Fällen haben sich aber Erzählstrang und Choreografie nicht geändert. Die Leser erkennen ihre Geschichten im Handumdrehen wieder.

Waisenjunge Bosse


Mio, mein Mio, die Geschichte von vom armen Waisenjungen Bosse, der seinen Vater, den König, findet, ist auch als Theaterstück höchst lesenswert. Das Stück erfasst mit wunderbarer Leichtigkeit den Kern der Geschichte und bringt ihn dem Leser dramatisch näher. Und weil das Theater ein ganz eigenes Genre ist, mit einer höheren Notwendigkeit, die Dreidimensionalität der Figuren schärfer heraus zu arbeiten und die Konflikte akzentuierter zu modellieren, müssen die Leser dieser Stücke den Hut ziehen vor Astrid Lindgren – auch das hat sie sauber hinbekommen.

Michel von Lönneberga – etwas verkürzt
Bleibt noch der Michel. Der zieht ja seinen ganzen Charme nicht nur aus den vielen kleinen und mittleren Katastrophen, in die er – ungewollt – seinen Vater stürzt; der lebt vor allem von seinem Ende her, als der Michel Mut zeigt und Entschlossenheit, wo doch schon alle Erwachsenen kneifen. Und der Michel seinen Freund, den Knecht Alfred rettet.

Lange Schlittenfahrt


Die lange Schlittenfahrt durch den Schneesturm wäre sicher im Theater schwierig darzustellen gewesen – also ließ sie die Autorin weg. Zurück bleibt ein amüsantes Theaterstück, dem aber ein wenig die Tiefe fehlt. Nun, unterhaltsam ist es doch – und das ist mehr als man von manche anderen Stücken sagen kann.
Wer die Stücke nicht nur lesen, sondern auch aufführen will, muss sich allerdings die (kostenpflichtige) Erlaubnis holen. Wo, das steht im Buch auch drin.

Astrid Lindgren, Kindertheaterstücke, Oetinger Verlag, ISBN 978-3789122347.

 

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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