Lichtblau

Bild: pixabay.com/snrsy, G John

Was lange währt, wird endlich gut: Xaver Leonhard Lichtblau, Autor des vielbeachteten Buches Liebe. Ficken. Tod legt in seinem aktuellen Buch Schnurren und Satiren vor. Das Buch ist nur auf den ersten Blick gefälliger. Beim zweiten zeigt es sich erstaunlich widerborstig.

Zwei Jahre lang hat Xaver Leonhard Lichtblau seine Schnurren und Satiren geordnet, überarbeitet, geordnet und neu geschrieben. Dann hat er noch einmal radikal 2/3 der Geschichten rausgeworfen und nur das wirklich Beste in seinem Buch gelassen. Leserinnen und Lesern unseres Blogs ist der Titel zum Teil vertraut: Osswalds Kosmos – alles wird besser. Osswalds Kosmos kennen sie, seit Lichtblau sich vor drei Jahren entschloss, die Lücke zu schließen, die Blaumilch hinterließ, als er seine Satiren einstellte.

Fremdes Terrain für Lichtblau

Für Lichtblau ein durchaus fremdes Terrain, wiewohl er seit Jahren als Autor arbeitet. Er hat sich in die Schnurren und Satiren mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit eingearbeitet. Und er ist besser und besser geworden. Gerade in den Geschichten des vergangenen Jahres hat er ein begeisterndes Niveau erreicht. Auch deshalb warf er so vieles Ältere wieder aus dem Buch; weil es nicht mehr zu dem erreichten Niveau passte.

Lichtblaus Schnurren und Satiren nehmen uns mit in die Welt von Osswald, einem sympathischen Verlierer. Sympathisch deshalb, weil er sein Scheitern mit Würde trägt und selbst darüber noch lachen kann. Kein Großmaul, kein Ellbogenmensch, kein erfolgreicher Durchsetzer – sondern einer, der ein großes Herz hat. Der mit denen fühlt, die abgerissen sind, die am Rande der Gesellschaft leben. Ihnen setzen diese Geschichten kleine Denkmale. Etwa der Luftgitarrenspieler, der mit Kinderwagen und Ghettoblaster auf Betteltour geht. Oder die alte Gauloisesraucherin, die sich sieben Brötchen mit Fleischkäse kauft und für ihren Sohn noch mal sieben.

Würde der Menschen gesehen

Lichtblau erkennt und ehrt die Würde dieser Menschen. Darin erinnern mich die Schnurren und Satiren stark an sein erstes Buch – doch das hatte einen anderen Ansatz. Es war härter, provokanter und versuchte, nach dem ersten Schock das Einvernehmen mit dem Leser herzustellen. Und seinen Helden eben auch so etwas wie Würde zu lassen. Ein schwieriger Versuch, der des Öfteren scheiterte.

Hier sehen wir die Außenseiter durch die Brille des Außenseiters Osswald. Und das ergibt eine reizvolle Spiegelung.

Alles in allem ein lohnendes Buch.

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