Woitzig, Uwe: Hofgang im Handstand

Bild: pixabay.com/simone gatterwe

In seinem Buch Hofgang im Handstand gewährt uns Uwe Woitzig tiefe Einblicke – in extreme Situationen. Und wie wir davon profitieren.

Wunderbares Buch

Hofgang im Handstand ist ein wunderbares Buch. Voller Weisheit, voller Zärtlichkeit dem Leben gegenüber; und voller Überraschungen. Und es ist ein  Buch über die Reise zu sich selbst. Mit dem Umweg über den Knast. Ich wünsche ihm ganz viele Leser – die nicht nur die außergewöhnliche Geschichte des Uwe Woitzig kennenlernen, sondern sich auch auf die Reise zu sich selbst machen mögen. Das wären sich viele Leser schuldig.

Woitzig fällt tief

Uwe Woitzig erzählt offen, sympathisch und amüsant von seinem Leben in den höchsten Höhen – und seinem tiefen Fall. Wobei der Sturz aus den Höhen nur das materielle Leben betraf; und das Ansehen, das er in der Gesellschaft genoss. Und der tiefe Fall ihn eigentlich in ganz andere Höhen geführt hat – zu seiner wahren Bestimmung, zum Einssein  mit sich und seinem Karma, zu Einsichten, das unsere Gesellschaft auf Lug und Trug und Blendwerk fußt.
Das Spiel hatte Uwe Woitzig lange mitgemacht, ja, sogar fleißig bedient. Hatte als studierter Jurist sich im internationalen Brokergeschäft einen edlen Namen gemacht, ein eigenes Bankhaus gekauft und geführt und mit Millionen jongliert. Bis die Blase platzte. Etwa so, wie sie viel später in der Bankenkrise noch einmal (wenn auch in größere Stil) platzte.

Das Glück nimmt seinen Lauf

Und dann nahm das Glück seinen Lauf, das sich erst einmal als Unglück tarnte.
Weil Uwe Woitzig und Kompagnon Klaus sich verzockt hatten (eigentlich der Kompagnon) und die beiden dann das Geld, das noch blieb, einerseits an die Leute verteilten, die in ihrem System ein wenig zu kurz gekommen waren (soviel Altruisimus leisteten sie sich) und sich mit dem Rest aus dem Staub machten.
Die Gesellschaft vergibt viel; aber nicht, wenn jemand die Gier, auf der unser Wirtschaften fußt, erst perfekt bedient, dann steigert und sie schließlich ad absurdum führt und demaskiert. Und nebenbei noch ein paar Millionen beiseite schafft.
Für Uwe Woitzig, der sich bis dahin in allerfeinsten Kreisen der Finanz- und Politwelt bewegte, der mit milliardenschweren griechischen Reedern befreundet war machte und deutsche Staatsoberhäupter in seinem geselligen Vorprogramm auftreten ließ, bedeutet die harte Landung fünf Jahre in einem deutschen Knast.

Extratipp
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Woitzigs Wandlung

Doch hier setzt eine Wandlung ein, die uns tief berührt und die allmählich die Überzeugung festigt, dass die wirklich guten Menschen, die Einsichtigen, Klugen und Weisen eher im Gefängnis leben und die Dummen, Raffgierigen und Beschränkten in freier Wildbahn. Uwe Woitzig trifft Gelassene und Gurus, Menschen mit tiefgründige Einsichten und Freunde, die ihm geistig und seelisch mehr geben, als er jemals vorher in der feinen Gesellschaft bekommen hat.

Knast als Form von Freiheit

Am Ende merken wir, wenn wir offen sind für diese Eindrücke: Uwe Woitzig hat seine Lektion wirklich gelernt. Und seine Einsicht besteht nicht nur darin, jede weiteren Kontakt mit dem Knast zu vermeiden. Er hat zu sich gefunden; und damit zu einer Form von Freiheit, die er vorher nie kannte und die ihm auch der Knast nicht einschränken konnte.

Knast kann jeden treffen; das geht mitunter schnell. Wer meint, davor gefeit zu sein, der lebt geistig in einem viel finstereren Loch als der übelste Knast jemals sein kann. Und wer in der sogenannten freien Gesellschaft nur nach Materiellem strebt, der ist unfreier als jeder Knacki. Nach der Lektüre des Buches wünsche ich mir eigentlich, dass da so mancher Unerweckte diese Knast-Erfahrung einmal machen würde – die Welt wäre ein besserer Ort.

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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