Santiago Gamboas klasse Krimi: Verlieren ist eine Frage der Methode

Bild: pixabay.com/Yama Zsuzsanna Márkus

In seinem Roman Verlieren ist nur eine Frage der Methode hat Santiago Gamboa eine tolle Idee klasse umgesetzt!

Das ist die Geschichte von Intrigen und einem Kampf bis aufs Messer. Und davon, dass sich Verbrechen in Südamerika durchaus lohnen. Darin verwickelt: Der ehrenwerte Bauunternehmer Vicuna, der Senator Esquilache, der Mafioso Tiuflis, ein Nudisten-Club samt verruchter Chefin und ein durch und durch zwielichtiger Anwalt. Es geht um wertvolle Grundstücke am Sisga-See. Die sind ein Vermögen wert. Jedenfalls genug, um die ehrenwerten Herren völlig außer Rand und Band geraten zu lassen. Sie hecheln hemmungslos dem Goldschatz hinterher, und lassen dafür Menschen sterben.

Gepfählte Leiche

Als die Polizei eine gepfählte Leiche am Ufer des Sees findet, geht der ganze Rummel los. Mittendrin der Polizeireporter Silanpa. Der ermittelt besser als die korrupte Polizei der kolumbianischen Hauptstadt, ist den Mördern und den dubiosen Geschäftemachern dicht auf den Fersen. Es ist auch die Geschichte einer tragischen Liebe und einer ironischen Beschreibung der urbanen kolumbianischen Gesellschaft.



Flüchtige Abenteuer

Und dazu passt, dass Silanpa durchaus seine flüchtigen erotischen Abenteuer genießt, aber im Moloch Großstadt sein Glück nicht findet. Der Steppenwolf-Effekt macht ihn aber nur noch unerbittlicher – und mit dieser Unerbittlichkeit jagt er die Verbrecher. 

Gamboa, selbst Journalist, hat ein rasantes Buch geschrieben – schnell, witzig, manchmal atemberaubend. Er nimmt den Krimi als literarische Form, um die dunklen Geschäfte der Mächtigen in seiner kolumbianischen Heimat zu demaskieren. Das liest sich gut, der junge Mann kann schreiben.

Authentische Geschichte

Die Geschichte ist authentisch genug – denn Polizeichef Moya zeigt wenig Lust, den Täter hinter Schloss und Riegel zu bringen. Nur ein kleiner Fisch muss dran glauben. Das alles ist spannend geschrieben. Schön auch: Die Lösung des Falles liegt in einer Zusammenfassung verschiedener Interpretationen des Geschehenen, deren Wahrheitsgehalt fraglich ist. Damit darf sich der Leser die Lösung selbst ausdenken.

Etwas hölzern

Was mir weniger gefiel: Es dürfte kaum so sein, dass ein Journalist derart freie Hand hat – dass er wie ein Detektiv ermitteln darf. Zumindest seine Chefs bei der Zeitung würden sich im richtigen Leben herzlich bedanken, wenn ihr Superjournalist nur alle paar Tage in die Redaktion kommt, um schnell einen Artikel zu schreiben. Und ansonsten undercover ermittelt. Außerdem sind die Artikel, die der erdachte Silanpa schreibt, viel zu schlecht. Fade und hölzern und nichts sagend. Das hätte der Journalist Gamboa seinem Helden nicht antun dürfen, ihm so eine miese Sprache an den Leib zu dichten. Er ist ja vom Fach.
Aber die Kleinigkeiten machen das durchaus spannende Buch kaum madig.

 Lesenswert!



Santiago Gamboa, Verlieren ist eine Frage der Methode, Roman, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 328 Seiten, ISBN 978-3293202023

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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