Gogoll, Ruth: Taxi nach Paris – sinnlicher Roman

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Eine Managerin und eine Liebesdame für Frauen verlieben sich ineinander. Das Schönste: Die Geschichte geht gut aus.

Liebesgeschichte mit gutem Ende

Dass es so etwas noch gibt: Eine Liebesgeschichte, die gut ausgeht. Ein Buch, verlegt im Selbstverlag, das Format hat. Ruth Gogolls Taxi nach Paris zeigt, dass es das tatsächlich noch gibt.

Ein paar Schwächen

Ganz ohne Schwächen kommt ihr Buch jedoch nicht aus. Es wäre auch ein Wunder, wenn eine Frau im Alleingang das leisten könnte, was sonst ein ganzer Verlag zustande bringt. Im letzten Drittel hat das Buch Längen; ein gutes Lektorat hätte hier gestrafft. Dennoch: Gogoll gelingt eine Liebesgeschichte, die mitzittern lässt. Klappt das jetzt mit den beide grundverschiedenen Heldinnen? Oder klappt das nicht? Bis zuletzt bleibt es offen.

Nicht in Paris lesen

Machen Sie aber nicht den Fehler und nehmen das Buch mit nach Paris. Sie werden drei Tage nichts anderes im Kopf haben und der liebenswerte Metropole so lange einen Korb geben. Das hat Paris nicht verdient.
Die Geschichte: Eine erfolgreiche Projektmanagerin, aus Passion lesbisch, verliebt sich in eine Liebesdienerin für Damen. „Eine Nutte – na wunderbar“. Das hört sich recht flapsig an und zu Anfang ist die ganz Affäre noch nicht sehr wild. Doch das ändert sich; die beiden reiben sich aneinander auf. Hier die kühle Managerin, plötzlich heiß entbrannt in Liebe und Eifersucht.

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Gegensätzliche Charaktere

Dort die Liebesdienerin, die sich anderen Frauen gegen Geld hingibt. Gogoll arbeitet die Konflikte plastisch heraus; und das Hin- und Hergerissensein der Protagonistinnen auch.
Das zuckersüße Gift der amour fou. Die Autorin vermeidet es, den soziologischen Zeigefinger allzu steil zu heben (was das Milieu der Lebedame betrifft). Sie schafft es nicht, wenn es um den Grund für deren Unfähigkeit geht, ,,Ich liebe Dich“ zu sagen.

Ungewöhnlich: Managerin und Liebesdame

Aber: Schwamm drüber, das sind Kinkerlitzchen. Taxi nach Paris ist eine ungewöhnliche Geschichte, aus einem nicht alltäglichen Blickwinkel heraus geschrieben.

Spannend, ergreifend, schön

Da stört auch nicht, dass die es weniger äußerliche als innere Handlungen gibt. Manche stören sich allerdings an den ausschweifenden sexuellen Handlungen der beiden Frauen. Die bestimmen, es sei zugegeben, einen Großteil des Buches. Aber eigentlich sind sie vielleicht nur das Mittel zum Zweck – um zu spiegeln, wie sich die Liebe doch – ganz allmählich – gegen das pure körperliche Begehren durchsetzt. Denn die Liebe kann frau nicht durch ausgefeilte Liebestechnik herauskitzeln. Sie wächst; oder sie wächst nicht. Taxi nach Paris gilt mittlerweile als DER lesbische Bestseller schlechthin. Claudia Gehrke tat gut daran, Ruth Gogolls Selbstverlag zu übernehmen – zu beider Nutzen, da bin ich sicher.

Ruth Gogoll, Taxi nach Paris, Taschenbuch: 254 Seiten. Elles Verlag im Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 1997,328 Seiten, 14,90 Euro, ISBN-10: 393249900X, ISBN-13: 978-3932499005.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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