Kureishi, Hanif: Der Buddha aus der Vorstadt

Bild: Pixabay.com/Frank Liborius Hellweg

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Mit Wortwitz und beißendem Spott beobachtet der Protagonist des Buches die Glitzerwelt der Mondänen – um am Schluss behände die Seiten zu wechseln.

Schillernde Mischung

Es beginnt alles ganz harmlos: Dad, indischer Einwanderer in einem Londoner Vorort, lernt Eva kennen. Ein bisschen Schmusen, ein hektischer Akt auf einer Parkbank, das hätte es sein können und Dad wäre brav zu Mom zurückgedackelt. Wenn da nicht Eva wäre, wie Eva nun einmal ist: eine Frau mit Energie, eine Frau mit Kick, die aus Dad herauskitzelt, was lange in ihm schlummert. Er wird zum Buddha in der Vorstadt, sondert vor wachsendem Publikum eine schillernde Mischung aus Tao, Zen-Buddhismus und ein paar zusammengefühlten Gedanken ab, und sein Sohn klopft sich wiehernd auf die Schenkel.

Toll beobachtet, flapsig beschrieben

Wie sich das mit Dad entwickelt, wie Mom zusammenfällt, dann wieder an Größe gewinnt, wie Dads indische Verwandten und englischen Bekannten mit dem leben zurechtkommen – das alles beobachtet Sohn Karim genau. Zu Beginn der Geschichte ist er 17 Jahre alt. Wir schreiben die 70er Jahre. Was Karim an Beobachtungen zusammenträgt und wie er es beschreibt, ist zunächst durchaus witzig, er ist an etlichen Stellen für eine flapsige Bemerkung gut, auch über sein eigenes Leben. Und das wird turbulent: Aus der Langeweile der Londoner Vorstadt herauskatapultiert, lernt er das große London und die tollen Leute dort kennen – und später auch New York.

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Eva und Dad mittendrin

Eva und Dad sind immer mittendrin, am Schluss wird Karim schreiben, wie chaotisch das alles gewesen ist – und doch genießt er es. Dazwischen erlebt der moderne Hanswurst vieles, einschließlich der eigenen Karriere als Schauspieler. Doch er wird reichlich kalt in seiner Analyse, sein Witz wird gnadenlos. Und das missfällt immer mehr, je länger die Lektüre dauert.

Geld verdirbt den Charakter, wie Buddha weiß

Warum das so ist, macht der Schluss des Buches deutlich: Karim hat jetzt Geld und kann seinen Clan freihalten. Er merkt, wie sehr ihm das gefällt. Er genießt seine Macht und lebt ganz bewusst in dieser Glitzerwelt. Es ist genau die, die er bisher so wortgewandt zu hassen vorgab. Es gewagter Wandel vom Edelhippie zum Yuppie – in atemberaubender Zeit.

Am Schluss passt es nicht mehr

Doch, der Leser hat gelacht über alle, die auf der atemlosen Sucher waren nach Geld, Ruhm, Macht und vielleicht ein bisschen Liebe. Angesichts eines solchen Schlusses bleibt dem Leser allerdings das Lachen im Halse stecken. Karims Faxen waren zu entlarvend, denn der Leser merkt: Man ist eigentlich eng verwandt mit denen, über die er lacht. Das könnte heilsam sein.
Doch wenn sich Karim dann auf die andere Seite schlägt, passt das nicht mehr. Der Hofnarr ist ruhmsüchtiger als der König.

Die Seiten gewechselt

Schade ums Sprachtalent des jungen englischen Autors, Sohn eines pakistanischen Einwanderers. Was für ein wunderbares Buch hätte das werden können. Das zeigen viele Stellen, in denen Kureishi einfühlsam, zärtlich und voller Mutterwitz über die Situation der Einwanderer schreibt.
Buddha und Karim verkommen aber in einer Hanswurstelei, hinter deren Maske nur die Ruhmsucht eines Autors lauert. Der hat seine Anerkennung bekommen, aber, ähnlich wie Karim, schnell die Seiten gewechselt und sich mit denen gemein gemacht, die eigentlich seinen beißenden Spott verdient hätten. We are not amused.

Hanif Kureishi, Der Buddha aus der Vorstadt, rororo, ISBN  978-3499241123.
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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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