Krüger, Michael: Der Mann im Turm

Bild: pixabay.com/Unsplash/Mann im Turm /

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Michael Krüger hat mit dem Buch Der Mann im Turm eine wunderbare Parabel auf die Kunst geschrieben; und auf das Leben. Krügers Mann im Turm – stark!

Ein Maler lebt in einem Turm. Er hat sich dorthin zurückgezogen, um seinen Auftrag zu erfüllen und Bilder zu malen, auf denen die vier Jahreszeiten Gestalt annehmen. Er braucht dazu Ruhe, muss sich dem hemmungslosen Geschwätz der Leute in der Stadt entziehen. Und er entzieht sich seinem Heimatland – denn der Turm steht in Frankreich, einem freiwilligen Exil für ihn. Gleichzeitig, und das ist eine weitere Skurrilität, die sich Krüger leistet, übersetzt der Maler Dante.

Übermütiger Beginn

Zunächst ist er übermütig und seiner Sache sicher, denn schließlich hat er schon ganz andere Sachen gemalt. Doch die Inspiration ist ein launisches Kind, sie will sich nicht einstellen, die Tage des Malers sind eine einzige Verwaltung der Leere. Erst allmählich kehrt so etwas wie ein tastender Beginn bei ihm ein, und der Maler lernt zögernd andere Menschen kennen. Doch dann wird‘s gleich wieder turbulent: Er verbringt mit einer seltsamen Frau ein paar Nächte und prompt verschwindet die mit seinem Auto.

Dicker Mann mit undurchsichtiger Rolle

Und ein dicker Mann kommt auch noch vor, der eine undurchsichtige Rolle spielt in dem ganzen Drama. Die Erlebnisse werfen den Maler in den langersehnten Schaffensrausch. Krüger hat in seinem kleinen Büchlein eine Parabel geschaffen für den Künstler und seine Kunst – und für die aberwitzigen Situationen, die einerseits den Schaffensdrang lähmen, andererseits ihn beflügeln. Der Turm ist der berühmte Elfenbeinturm, aber auch eine Festung, die von anderen Menschen eingenommen wird. Dass er am Ende abbrennt, ist ebenfalls ein starkes Symbol.

Krügers Schalk bei Mann im Turm

Doch trotz des parabelhaften Charakters und des so würdigen Themas, blitzt immer Krügers ganz eigener Schalk in den Zeilen auf und benetzen die Anekdoten, die ansonsten unerträglich spröder und ein wenig konstruiert wirkte, mit dem feinen Nebel des erzählerischen Humors. ?All die Fehlschläge, die unseren Maler zusätzlich noch mit der Polizei in Konflikt bringen, entmutigen den Maler nicht. Darin erweist er sich als starker Charakter, der noch Nektar für seine Kunst aus Situationen saugt, die andere eher in die Flucht getrieben hätten. Der Maler ist kein Weichling, kein Schöngeist und kein Sensibelchen. Er ist ein Steher.

Der Turm – ein starkes Symbol

Von daher wird der Turm dann nicht nur das Symbol für die Abgeschiedenheit des Künstlers, sondern auch für die Festung – die mag erobert werden und am Ende zuschanden gehen, aber der Herr der Festung hat auch dann noch Mumm genug, de Leben ins Gesicht zu lachen. Der letzte Satz lautet. „Es ist Zeit, mit einem neuen Bild zu beginnen.“

Michael Krüger, Der Mann im Turm, Roman, ISBN 978-3596113897, 7,95 Euro

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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