Kreitmann, Esther: Deborah, Narren tanzen im Ghetto

Juden

Bild: pixabay.com/BusyHomeschoolDays

Ein eindringliches Sittengemälde der Geschichte jüdischer Frauen in Europa enthält das Buch Deborah, Narren tanzen im Ghetto. 

Geschichte der Juden

Betrachtet man die Geschichte der Juden in Europa, verbietet es sich, von deren gutem Zusammenleben mit den Völkern dort zu sprechen. Das war so im Feudalstaat und das war so unter den Königen und Kaisern. Natürlich gab es Zeiten relativer Ruhe, aber das war nur die Ruhe zwischen zwei Stürmen der Verfolgung. Wie viel schwerer es da noch die Jüdischen Frauen hatten, zeigt Esther Kreitmanns Roman. Denn die Frauen waren nicht nur dem Schicksal ihres Volkes ausgesetzt, sondern auch noch ins  repressive System des orthodoxen Judentums eingebunden.

Heirat als Ausweg

Die junge Deborah fragt ihren Vater, was sie einmal werden soll und er antwortet mit entwaffnender Offenheit  „Nichts“.  Dabei ist ihr Vater ein durchaus liebenswerter Kauz, ein Rabbi, der Gott in den Büchern sucht. Auch ihre Mutter ist nicht gerade bösartig, wenn auch dominant und kränkelnd und nicht sehr zufrieden mit ihrem Schicksal. Kein Wunder, leidet such sie unter der Repression.

Sie setzt ihren Willen durch

Sie bewältigt ihr Schicksal, indem sie ihren Willen durchsetzt und die Tochter abweisend behandelt. Deborah möchte so nicht enden, ihre Mutter ist abschreckendes Beispiel.? Doch auch ihr bleibt schließlich nur noch der traditionelle Ausweg einer möglichst vorteilhaften Ehe. Vorderhand  scheint  ihre Partie gut  die beiden Väter verhandeln miteinander, die beiden Jungen Leute haben sich nicht einmal vor her gesehen. Entsprechend schlecht motiviert geht Deborah auch diese Verbindung ein.

Armer, dicker Junge

Als sich dann noch der Ehemann nicht als reicher Diamantenschleifer herausstellt, sondern als beschäftigungsloser, dicklicher Junge, den sein Vater finanziell aushalten muss,  da will Deborah  ausbrechen. Doch das gelingt ihr auch nur noch in ihren Hungerträumen – die Chance zum Ausbruch hatte sie, als sie kurze Zeit einmal Mitglied der verbotenen sozialistischen Partei war. Sie ließ sie allerdings ungenutzt verstreichen. Später war der Sozialismus allerdings kein Hort der Frauenbefreiung mehr. Auch das wissen wir aus der Geschichte.

Eindringliches Sittengemälde

Esther Kreitmann, der Schwester des jüdischen Autors Isaak B. Singers, gelingt in ihrem Roman ein eindringliches Sittengemälde der jüdischen Welt in Polen – bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Da stören die literarischen Unbeholfenheiten ihrer Sprache wenig, die ja auch der Übersetzung zugerechnet werden könnten. Nur eines hat mich fuchsig gemacht – die völlig unnötigen, dafür aber umso schrecklicheren  Fotos im Buch. Das hätte der Verlag diesem guten Buch ersparen sollen.

Esther Kreitmann, Deborah, Narren tanzen im Ghetto, Alibaba Verlag, Frankfurt Esther Kreitmann, Deborah, Narren tanzen im Ghetto, Alibaba Verlag, Frankfurt; 368 Seiten.

 

 

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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