Kirsten Slottke, Rücksichtslos

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Bild: pixabay.com/ClkerFreeVectorImages

Es ist eine finstere Geschichte – Kirsten Slottke erzählt von Frauen, die nach der Geburt ermordet werden und deren Babys sinisteren Versuchen dienen. Schon vorher, zu Lebzeiten der Mütter, war denen entsprechendes Genmaterial gespritzt worden. Eingebettet ist die Geschichte in den aktuellen Krimi der Frankfurter Kommissarin Katharina Berger.

Der Krimi entwickelt sich langsam. Kommissarin Katharina Berger und ihr Team tappen lange im Dunkeln. Sie haben zwar zwei der ermordeten Frauen gefunden – warum sie sterben müssen, und wie die Mörder an sie rankommen, das bleibt lange unklar.

Reizvoll macht den Krimi, dass Autorin Slottke mit verschiedenen Perspektiven arbeitet. Ich bin zwar sonst ein Verfechter der strengen Ein-Perspektiven-Regel, und meisten bringt die einen Schub zusätzlicher Spannung. Aber in diesem Roman steigert eben der Wechsel die Spannung – hier die ratlose, fast schon verzweifelte Kommissarin; dort Kira, eine der Frauen, die ihre Gefangenschaft erlebt und ahnt, was mit ihr geschehen wird.

Die Personen, na, sagen wir, die Hauptpersonen, sind gut gezeichnet und kommen schlüssig daher. Wobei wir gerne ein wenig mehr von Katharina erfahren hätten. Bei den anderen bleibt die Autorin etwas an der Oberfläche. Alles in allem ein lesenswerter Krimi.

Etwas schwerfällig

Was mich allerdings stört: 95 Prozent schleppt sich der Krimis durch den Bodennebel der vergeblichen Fahndung und Suche dahin. Wir bekommen von dem ganzen Fall wenig zu Gesicht – nur von der verzweifelten Suche nach den Frauen. Und dann geht alles sehr schnell, die Ereignisse überschlagen sich, die äußeren Geschehnisse gewinnen an Fahrt. Und in dem Trubel muss uns die Autorin noch erklären,  was das denn eigentlich für ein Fall ist und was die Mörder antreibt.

Etwas gehetzt

Am Schluss ist der Autorin wohl etwas die Zeit davon gelaufen.

Und ob Frau Berger unbedingt so massiv in Gefahr geraten muss? Das ist Geschmackssache. Viel spannender fand ich die medizinische Seite der Baby-Experimente; die wird nur in wenigen Sätzen am Schluss erklärt. Vielleicht hätte hier die Medizinerin Slottke noch viel Faszinierendes entwickeln können.

Aber das sind Kleinigkeiten am Rande, in der Hauptsache hat der Krimi mir viel Spaß gemacht!

Über Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....