Kindertheater: Otfried Preußler, Die kleine Hexe

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Bild: pixabay.com/OpenClipartVectors

Eigentlich geht Otfried Preußlers Theaterstück Die kleine Hexe gar nicht – sie stellt eine Zumutung an jeden Regisseur und jeden Bühnenbildner dar. Und doch: Das Stück läuft. Und wie. Klasse ist es auch.

Manchmal sollte man die alten Sachen wieder mal in die Hand nehmen. Otfried Preußlers Theaterstück die kleine Hexe zum Beispiel. Schon die Besetzungsliste ist für kleinere Ensemble eine Zumutung. 31 verschiedene Rollen sind zu vergeben. Gut, Doppelbesetzungen gibt es auch, und zwar reichlich. Aber trotzdem!

Und gleich am Anfang passiert etwas, das es in der Literatur allgemein und in der Kinderliteratur speziell nicht geben sollte: Rückblenden. Und nicht etwa nur eine, nein sechs.

Jede Rückblende ein Bild bei der kleinen Hexe

Mein lieber Schieber dachte ich, als ich das Stück las. Das ist eine echte Herausforderung für die Theaterleute, Rückblenden zu installieren. Zumal sich der Autor darüber nicht besonders auslässt, wie sie das zu machen haben. Er schreibt nur: „Das Bühnenbild ist so anzulegen, dass es die erforderlichen ’szenischen Rückblenden‘ ermöglicht.“ Klar ist aber auch: Zu jeder Rückblende soll es ein Bild geben. Herzlichen Glückwunsch auch …
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Aber andererseits: Machen wir es einfach; wahrscheinlich sind die Rückblenden auch nur einfach kleine Szenen. Obwohl: Der Bühnenbildner wird wohl Überstunden machen müssen, wenn sein Ensemble die kleine Hexe gibt. Immerhin sind  es drei große Bilder und sechs Unterbilder (die Rückblenden!).

Nur ein Bühnenbild beim Kindertheaterstück

Ich weiß noch, wie ein Theaterverlag mein erstes Kindertheaterstück um die Ohren schlug mit der Bemerkung, mehr als ein Bühnenbild, das gehe gar nicht. Ich hatte mich gewagt, drei zu haben, für jeden Akt einen. Aber ich bin ja auch nur der olle Bruder Lustig und nicht der große Otfried Preußler.

Wobei ich betonen möchte, dass ich die Bücher Preußlers liebe und den Meister verehre. Nein, mich treibt wirklich kein Neid, ich nehme es gelassen zur Kenntnis, dass ich mir eben nur ein Bühnenbild leisten darf. Das geht, alles nur eine Frage der Disziplin und der Kreativität.

So, nach den Auslassungen über die Unmöglichkeit der Aufführung möchte ich das Stück loben – es hat auch als Theaterstück nichts von seiner frechen Einzigartigkeit verloren. Wie Hexe und Rabe zusammenarbeiten, um Gutes zu tun, wie die kleine Hexe ganz tolle Sachen zaubert. Und wie sie am Schluss der Geschichte die großen Hexen austrickst und ihre Hexenbesen verbrennt. Weil die Alten sie dafür quälen wollten, dass sie das ganze Jahr über nur gut gewesen ist. Dann kommen noch die Zauberbücher hinzu – und schwupps ist die kleine Hexe die einzige, die zaubern kann. Und sie wird ihre Kunst auch weiterhin nur nutzen, um Gutes zu tun.

So soll es sein!

Feuer deinen Boss!

Über Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....