Kinderbuch schreiben: Fasse dich kurz

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Bild: pixabay.com/Alexandra Aus München

In der Kürze liegt die Würze. Das gilt gerade für Kinderbücher.

Wenn wir schreiben, sind wir oft zu lang. Wir schachteln die Sätze nach Belieben, lassen auf die Leser ein Nebensatzgewitter niedergehen, bis sie leise winseln.

Das ist schon für erwachsene Leser nicht mehr zeitgemäß, für Kinder ist es das zweimal nicht. Auch wenn jetzt wieder irgendwelche Spontis, die nie eine Geschichte planen, meinen werden, sie kennen Kinder, die selbst Schachtelsätze der wildesten Spontis überlebt haben.

Wir wollen keine Kinder quälen und bemühen uns um ein wenig Selbstdisziplin und um kurze Sätze. Natürlich dürfen die Nebensätze haben, aber überschaubar.

Gute Bücher lesen

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Satz- und Wortlängen in guten Kindergeschichten angesagt sind, solltet ihr diese auch lesen. Otfried Preußlers Kasperle- und andere Geschichten sind dazu wunderbar geeignet. Du findest kaum eine Sprache, die einfacher und doch kräftiger ist als seine. Nicht nur ein geborener Erzähler, sondern ein geborener Kinderbuchautor.

Um in so eine Sprachwelt abzutauchen, lohnt sich die Lektüre möglichst vieler guter Kinderbücher.

Genau analysieren

Analysiere die Personen in den Geschichten, schau, wie sie handeln. Und wie lang die Sätze sind, das Kapitel, das ganze Buch. Für die Längen gibt es Faustregeln. Sie sind allgemein üblich, wenn auch nicht Gesetz. Du kannst sie natürlich variieren, musst aber damit rechnen, dass Lektoren in den Verlagen die Längen allzu strikt auslegen – um schon mal einen Teil der täglich hereinflatternden Manuskripte abzubauen.

Das ist vielleicht ein Grund, warum Joanne K. Rowlings Agent so lange brauchte, bis er Harry Potter an den Mann brachte – der leidet ja nun wirklich an Wortdurchfall, selbst im kürzesten ersten Band. Und ist nichts für Kinder unter 10 Jahren. Was Rowlings späteren Erfolg auch bei Kindern unter 10 Jahren nicht bremste. Manchmal sind die Leser komische Wesen …

Im zweiten Schritt solltest du ein paar gute Geschichten kopieren – alles, was im Räuber Hotzenplotz nicht steht. Oder die Fortsetzung von Karlsson vom Dach schreiben. Das vermittelt dir sehr schön, welche Sprache der Autor verwendete.

Rowling als Ausnahme. Ansonsten: Fasse dich kurz

Zurück zu Harry Potter: Rowlings Zauberlehrlingreihe ist eher die Ausnahme – und wir sollten uns an die Regeln halten.

Und die lauten: Sätze für junge Leser sollten eher kurz sein und höchstens 10 Wörter haben.

Für Leserinnen und Leser zwischen 6 und 9 Jahren solltet ihr Geschichten von 500 bis 2000 Wörter schreiben. Für Kinder zwischen 7 und zehn Jahren habt ihr 1000 bis 10.000 Wörter zur Verfügung und von 10 bis 12 Jahren zwischen 20.000 und 40.000 Wörtern.

Wer noch nichts für Kinder geschrieben hat, kopiere oder ergänze fleißig gute Kindergeschichten und schreibe dann eigene. Für den Anfang reichen Geschichten von 1000 bis 3000 Wörtern.

Viel Erfolg. Und natürlich noch mehr Spaß!
Mehr Infos gibt es hier:

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....
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