Kinderbuch schreiben: Die Sache mit dem Plot

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Bild: pixabay.com/kheinz

Welche Handlungslinien, wie viele Personen, welche Perspektiven? Das Kinderbuch hat seine eigenen Regeln.

Wir wissen bereits: Eine Handlung muss beim Kinderbuch unmittelbar einsetzen, der Held unverzüglich erscheinen. Wie ist das aber mit der Handlung, die danach einsetzt? Die muss ähnlich direkt losgehen und klar erkennbar sein. Mehr als eine Handlungslinie (Plotlinie) solltest du nicht verwenden. Nebenhandlungen und Rückblenden sind also tabu. Um gerade jüngere Kinder nicht zu verwirren, sollten nur wenige Personen in deinem Buch auftauchen. Mich hat immer Der Löwe ist los maßlos verwirrt. Autor Max Kruse lässt ständig irgendwelche Personen auftreten, die er nicht oder kaum erklärt. Die pure Anarchie. Aber irgendwie ist das Buch doch Kult; manche schaffen das, verlassen sollten wir uns nicht darauf. Die weiteren Löwe-Bände hingegen sind dann klar und orchestrieren die Figuren besser.

Die Eigenschaften der Personen im Plot

Im Plot sollten die Eigenschaften der Personen klar zum Tragen kommen. Er sollte ihnen also entsprechen. Das können sie natürlich nur, wenn diese Eigenschaften auf die Prämisse ausgerichtet sind und die dramatische Frage richtig gestellt und ausgearbeitet ist – wie andernorts beschrieben.

Dann wird es uns in unserem Plot gelingen, in Aktion und Dialog die Geschichte voran zu treiben.
Lesen! Die Abenteuer des faulen Paul

Die Perspektive

Eine letzte wichtige Sache in unserem Kinderbuch ist die Perspektive, aus der es geschrieben ist. Ihr habt grundsätzlich vier Möglichkeiten: Die Ich-Persektive, die neutrale, die personale und die auktoriale. Bei der personalen schlüpft der Erzähler in eine oder mehrere Personen, erzählt aber in der dritten Person; bei der neutralen erzählt er die Geschichte von einem unsichtbaren Beobachter aus. Welche von beiden ihr wählt, ist egal, ihr solltet ausprobieren, was zu eurer Geschichte und zum Kinderbuch besser passt. Ich möchte aber ganz stark dafür plädieren, eure Geschichte aus nur einer Perspektive zu erzählen – das ist zwar schwieriger, aber ehrlicher. Und eure Leser identifizieren sich viel stärker mit eurem Helden.

Die auktoriale geht am weitesten, weiß alles und spricht den Leser oft direkt an. Mir ist das zu allwissend.

Ich bin ein absoluter Fan der Ich-Perspektive. Sie ist am authentischsten, weil der Held (die Heldin) selbst erzählt. Bei ihr ist die Empathie für den Helden am intensivsten. Aber zugegeben, solche Geschichten sind etwas härter zu schreiben. Weil ihr als Erzähler nicht mal schnell zu einer anderen Szene beamen könnt („Inzwischen im dunklen Wald…“), sondern alles, was Held und Leser wissen müssen, als trickreiche Weise zum erzählenden Helden gelangen muss, auf dass er es dem Leser erzähle. Als gutes Mittel hat sich der Dialog erwiesen. Rückblenden allerdings sind tabu!

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....