Kinderbuch schreiben: Das Buch überarbeiten

children-442913_1280

Bild: pixabay.com(geralt (Gerd Altmann)

Mit unserem Kinderbuch kann es uns ja nicht schnell genug gehen – aber ein bisschen abhängen lassen sollten wir es schon. Und vor allem überarbeiten. Öfter als uns lieb ist. Nur so schreiben wir ein gutes Kinderbuch.

Nun ist es fertig, dein Kinderbuch. Herzlichen Glückwunsch. Hier dir liegen Wochen der Planung und Monate des Schreibens. Und endlich hast du das letzte Wort geschrieben und bist stolz wie ein Schneekönig. Oder eine Schneekönigin. Das darfst du jetzt erst einmal mindestens ein halbes Jahr genießen – weil dein Buch nämlich so lange in der Schublade versenkst. Der Sinn der Übung ist klar: Du musst Abstand gewinnen. Erst so kannst du dein Werk nüchtern betrachten.

Die Arbeit beginnt von vorne

Und dann beginnt die Arbeit wieder von vorne. Oder zumindest fast. Nimm dir vor, dein Buch so lang zu überarbeiten, bis du restlos zufrieden bist. Selbst, wenn du es fünf Mal umschreiben musst. Ich habe mein erstes Kinderbuch 13 Mal umgeschrieben, davon mindestens die Hälfte radikal. Das war natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass ich damals wenig von den Regeln des Kinderbuches wusste und von daher wenig vorab geplant habe. Aber die Bereitschaft, alles noch einmal auf den Prüfstand zu stellen, solltest ihr aufbringen. Es dient ja der Qualität eures Buches.
Jetzt lesen: Zauberhafter Frizzie

Nimm dir vor allem die einzelnen Handlungsstränge vor – sind sie logisch miteinander verflochten oder enden manche im Nirwana? Wie sieht es mit den Personen aus? Bleiben sie ihrem Charakter treu, die ihr ihnen gegeben habt – oder entwickeln sie plötzlich ein Eigenleben, das eure Geschichte auf den Kopf stellt?

Langsam laut vorlesen

Ihr solltet in der Phase des Überarbeitens die Geschichte mindestens einmal langsam laut vorlesen. Ihr merkt dann sehr schnell, wo sie hakt. Noch besser ist es, das Vorlesen auch noch aufzunehmen und später in aller Ruhe und mit dem Manuskript vor euch abzuspielen. Auch hier merkt ihr plötzlich, wo eure Geschichte ins Schwimmen gerät.

Kritische Leser gehören zum Kinderbuch schreiben dazu

Wenn ihr dann noch etwas ganz Besonderes für euer Buch tun wollt, gebt es einem Freund / einer Freundin zum Lesen. Dabei solltet ihr darauf achten, dass euer Freund ein kritischer Kopf ist, der sich nicht scheut, euch auch zu kritisieren. Speichellecker, die euer Buch loben und sich denken „O Gott, was für ein Mist!“, die könnt ihr nicht brauchen. Ihr braucht Leute, die euch sagen, dass es Mist ist und das noch begründen können. Nur so habt ihr die Chance, es noch einmal gründlich zu bearbeiten.

Fein ist auch die Möglichkeit, eure Geschichte in einer Gruppe von Autorinnen / Autoren vorzustellen. Allerdings gibt es nicht allzuviele Gruppen von Kinderbuchautoren. Vielleicht habt ihr ein Literaturhaus in der Nähe, das so etwas bietet. Raue, aber herzliche Kollegenkritik ist das Beste, das ihr bekommen könnt.

 

Über Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....