Kinderbuch schreiben: Als Kinderbuchautor einen Verlag finden

bear-422369_1280

Bild: pixabay.com/DGlodowska (Daria Głodowska)

Wenn wirklich alles fertig ist an eurem Buch, das Manuskript gut abgehangen und mindestens dreimal überarbeitet ist, wenn ihr es euch und andere laut vorgelesen habt – dann beginnt der härteste Teil: die Suche nach dem Verlag.

Die landläufige Meinung lautet: So viele Kinderbuchautoren gibt es ja nicht, die Verlage suchen ständig nach gutem Material. Die landläufige Meinung irrt. Sehr sehr viele Leute schreiben Kinderbücher. Es sieht fast so aus, als hätten sich die meisten Menschen vorgenommen, ein Kinderbuch zu schreiben, bevor sie sterben. Und sie tun uns nicht den Gefallen und sterben vorher. Die Verlage werden regelrecht überschwemmt mit Manuskripten.

Aber es kommt noch schlimmer. Wie schlimm es ist, das sagte vor ein paar Monaten der bekannte Kinderbuchautor Paul Maar in einem Interview. Er klagte darüber, dass die deutschen Kinderbuchverlage nur noch Lizenzgeschäft betreiben, also darauf schielten, was in den USA und anderen Ländern erfolgreich sei. Junge, unbekannte deutsche Autoren würden sie verschmähen. Paul Maar: „Heute könnte ich kein Kinderbuchautor mehr werden.“

Niederschmetternd, nicht wahr?

Selbst verlegen? Schwierig

Da quält man sich monatelang durch sein Manuskript, verbessert, feilt, schreibt um, liest es sich und anderen laut vor – und dann das. Autoren in anderen Genres stehen jetzt noch ein Weg offen – sie verlegen sich selbst. Das ist heute mit leistungsfähigen books-on-demand-Dienstleistern kein Problem. Eine sexy Alternative ist das kostenlose herausgeben eines eBooks. Das alles ist für Autoren von Kinderbüchern sehr schwierig.

Wer ein Kinderbuch herausbringen will, kommt um ein Hardcover nicht herum. Es ist nun einmal Standard am Markt. Genauso Standard sind farbige Grafiken. Wer jemals versucht hat, ein Hardcover mit farbigen Grafiken bei einem digitalen Dienstleister kalkulieren zu lassen, der weiß: Ihr müsst im Verkauf mindestens 25 Euro nehmen, um ein paar Cent zu verdienen. An einen Verkauf über den Buchhandel ist da natürlich nicht zu denken. Und wenn ihr jetzt bedenkt, dass große Verlage Kinderbücher in der Standard-Aufmachung um die 10 Euro vertreiben (manchmal deutlich darunter), dann wird klar, wie sehr ihr abgehängt seid: Kein Kunde kauft ein Buch über 20 Euro, wenn er die Hälfte für ein anderes bezahlen muss. Und das mit bekannten Namen renommierter Autoren.

eBooks laufen nicht

Und eBooks? Ich hatte meine Paul-Bücher bei einem gut eingeführten eBook-Verlag, der eine Kinderbuch-Abteilung aufmachte. Die Bücher dieser Reihe waren bei allen großen eBook-Verkaufs-Plattformen gelistet. Das Ergebnis war eine Enttäuschung, die Verkaufszahlen nicht der Rede wert.

Kinder lesen nun einmal kaum eBooks, sie haben oft nicht die Lesegeräte und die Eltern wollen, dass ihre Sprösslinge wenigstens beim Lesen von den eGeräten wegkommen.

Gibt es denn gar keine Hoffnung?

Endlich einen Verlag finden

Doch, die gibt es. Versucht, so gut wie möglich zu werden. Das erste Buch ist zum Üben, das zweite als nettes Geschenk fürs eigene Kind, ab dem dritten könnt ihr daran denken, es großen Verlagen oder Agenten vorzustellen. Wenn ihr mit Agenten liebäugelt, kontaktiert erst sie, ehe ihr die Bücher Verlagen vorbeischickt. Sonst sind sie für Agenten verbrannt. Adressen bekommt ihr bei Literaturjahrbüchern wie vom Uschtrin Verlag oder anderen (nicht verzagen, Google fragen).

Vielleicht ist es eine Möglichkeit, euch kleine, risikobereite Verlage zu suchen, die schon ein Kinderbuch gemacht haben. Im Regelfall machen sie das allerdings kein zweites Mal, weil sie eine große Auflage drucken mussten, um das Buch überhaupt in die Nähe der Verkaufbarkeit zu bringen – dann aber auf zu vielen Exemplaren sitzen geblieben sind. Nicht wenige kleine Verlage sind an Kinderbücher zugrunde gegangen.

Die pädagogische Firewall

Tja, Kinderbücher sind etwas ganz Spezielles. Sie sind sehr schwer zu schreiben, richten sich an ein anspruchsvolles, gnadenlos ehrliches Publikum. Ihr könnt dieses Publikum nicht ohne Erwachsene erreichen (Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen, Eltern) = pädagogische Firewall, die eine ganz genau Vorstellung davon haben, was ihren Kindern guttut. Die Kinder selbst sind nicht in der Lage, eure Bücher oder eBooks selbständig zu kaufen – ohne die pädagogische Firewall.

Wer’s dennoch versuchen will, dem wünsche ich viel Spaß. Auf diesem Blog gibt es etliche Tipps, die euch dabei helfen. Das eBook unten ist auch so konzipiert, dass ihr schnell einen Überblick über die wichtigsten Tipps bekommt.

Alle anderen sollten sich vielleicht überlegen, endlich ihren Krimi fertig zu schreiben.

 

Über Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....