Karlheinz Weißmann, Druiden, Goden, Weise Frauen

Bild: pixabay.com/Hans Braxmeier

In seinem lesenswerten Buch stellt Karlheinz Weißmann die Renaissance der Urreligionen vor – sachlich fundiert und schnörkellos.

Stolze Heiden

Die Zahl derer, die sich ganz bewusst und stolz Heiden nennen, steigt. Somit liegt Weißmanns Buch im Trend und sein Titel umreißt auch – etwas marktschreierisch – den Gegenstand der Auseinandersetzung. Wer aber das Buch liest, dem fällt die objektive und verständliche Art auf, mit der Weißmann an das Thema herangeht.

Das Christentum deutete die alten Religionen um

Sein Bericht beginnt mit dem Siegeszug des Christentums. Er zeigt, wie die katholische Kirche viele der heidnischen Götter in christliche Heilige umfunktioniert hat; wie sie die Riten und Gebräuche für ihren Kultus vereinnahmte.
Im Laufe der Zeit entstanden so nationale Erhebungen, die sich als völkische verstanden. Ihnen war das vom Orient importierte Christentum zuwider, die Mitglieder der Bünde wollten zu einer Religion zurückkehren, wie sie ursprünglich im Volk verwurzelt war. Oft schlummerte der ursprüngliche Glaube noch im Volk, trotz der christlichen Reinigungen und Umdeutungen.

Keltische Renaissance

Es gab eine „Keltische Renaissance“, eine „Nordische Renaissance“, einen „Neo-Druidismus“. Und alle waren sie eingebettet in bürgerlich-philantrophische Vereine. Friedrich Nietzsche mit seiner Religion des Übermenschen gab einen weiteren Anstoß zum Aufblühen der altgermanischen, völkischen Religion. Ableger der Stimmung wucherte in die Freikörperkultur hinein, der bewussten Absage an die Leibfeindlichkeit des Christentums. Auch die Bewegung der Wandervögel lebte aus diesem Geist. Die Schwabinger Bohème und die Künste setzten viele dieser Ideen um. Das Neuheidentum der Jahrhundertwende speiste sich diesen Quallen, Bünde, Logen und Brüderschaften blühten.

Hitler bootete das Neuheidentum aus

Nährboden war zum großen Teil eine breite Verunsicherung des Bürgertums bis weit in die Weimarer Republik hinein. So erschien vielen der Erste Weltkrieg eher als Religionskrieg denn als ein Ringen verschiedener Nationen miteinander.
Viele der völkisch-religiösen Bünde setzten auf die NSDAP unter Hitler. Sie glaubten gerne, dass mit der Machtergreifung der Nazis auch ihre große Stunde geschlagen habe.

Kungelei mit den Kirchen

Hatte sie nicht – denn Hitler, der den Ideen der Heiden durchaus nahestand, war viel zu sehr Machtpolitiker, als dass er sie nun bevorzugt hätte. Für ihn waren die großen Kirchen wichtiger – er wollte die offene Konfrontation mit den christlichen Konfessionen vermeiden. und schließlich brauchte er deren wohlwollende Zurückhaltung, wenn er Juden und Andersdenkende verfolgen und vernichten ließ.

Die Moderne

In den 50er-Jahren versuchten viele Bünde eine Wiederbelebung ihrer Aktivitäten. Sie kamen über eine spärliche Anhängerschaft nicht hinaus. Erst die Hippie- und Ökologie-Bewegung beschäftigte sich wieder ernsthaft mit der Wirklichkeit des Mythos. Erkenntnisse der Urreligionen waren wieder gefragt, vor allem, wen sie indianischen Ursprungs waren. Ein anders Feld der „New-Age-Bewegung“ war die Fantasy-Literatur.
Im letzten Teil seines lesenswerten Buches stellt Karlheinz Weißmann einige der modernen Denker des Heidentums vor und wagt die Prognose, dass die Kirchen in ihrer Bedeutung abnehmen werden und die Anhängerschaft der Urreligionen wachsen wird.

Karlheinz Weißmann, Druiden, Goden, Weise Frauen, Zurück zu Europas alten Göttern, Herder Verlag, ISBN 978-3451040450.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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