Journalistische Stilkunde: So schreiben Sie gute Berichte

Was ist der Unterschied zwischen Nachricht und Bericht? Wie schreiben Sie so etwas? Und wie führen Sie ein Interview?

Schwierige Kürze

Wenn Sie für die Medien schreiben wollen, sollten Sie die Unterschiede zwischen den einzelnen journalistischen Genres kennen. Die Nachricht (Meldung) wird häufig in der Pressearbeit eingesetzt. Sie ist knapp gehalten, transportiert sachliche Informationen und beschränkt sich auf das Wesentliche.

Ohne Blähstil

Beachten Sie die verständliche Schreibweise in kurzen Sätzen ohne Blähstil, Adjektive und Kommentare. Vermeiden Sie das Passiv. Schreiben Sie aktiv, nennen Sie die Redenden und Handelnden mit Vornamen und Namen. Und bringen Sie alle Fakten kompakt. Vermeiden Sie alles, was nicht unbedingt in die Nachricht gehört. Interessant ist auch ein Hinweis auf weitere Informationen – etwa die Internet-Adresse oder eine Telefonnummer. Das war‘s schon.

Fakten ordnen

Die größte Schwierigkeit bei Nachrichten ist die Kürze. Und die Gedankenarbeit, alle Fakten erst zu ordnen und zu werten und sie dann gemäß der sieben W-Fragen anzuordnen – und das auch noch in absteigender Wichtigkeit. Das Wichtigste nach vorne (wer, was, wann, wo, wie, warum, wozu?), danach das weniger Wichtige. Freie Mitarbeiter einer Tageszeitung schreiben lieber opulente 200 Zeilen von einem Ereignis als knappe 20. Denn sich zu überlegen, was man in nur 20 Zeilen bringt, ist oft schwieriger, als schnell 200 Zeilen herunter zu klappern. Der Redakteur hat dann die Mühe, das alles einzudampfen. Seien Sie kooperativ, denken Sie vor dem Schreiben.

Strenger Aufbau

Die Nachricht hat einen strengen Aufbau. Sie ist in Abschnitte gegliedert. Der erste ist der Lead (Vorspann), in dem alle wichtigen W-Fragen zusammengefasst sind. Der Lead muss die Leser ausreichend informieren, die danach aussteigen.
Der Bericht ist der Zwillingsbruder der Nachricht – aber umfangreicher. Das ist eine längere Mitteilung, die sich an dieselben Regeln hält wie die Pressemitteilung. Schreiben Sie nie chronologisch, auch wenn Sie über eine Hauptversammlung berichten. Auch hier gilt: das Wichtigste zuerst.

Bericht im Lokalteil

Der Bericht findet sich meist im Lokalen – wie der Bericht über die Hauptversammlung und anderes. Nachricht und Bericht sind die gebräuchlichsten journalistischen Formen in der Pressearbeit für Vereine.
Weitere Formen: Reportage, Feature, Kommentar und Glosse sind journalistisch anspruchsvolle Formen. Sie werden in der ersten Zeit Ihres Wirkens in der Presse eher nichts für Sie sein. Haben Sie einmal Blut geleckt, fragen Sie ruhig Ihren Redakteur, ob Sie einmal Glosse, Interview oder Kommentar versuchen dürfen. Er wird Sie gerne beraten. Außerdem helfen gute Lehrbücher und die Lektüre guter Zeitungen.

Erkundigen Sie sich vorher

Das Interview: Es setzt sehr viel Wissen um die Person und die Sache voraus. Dabei sollten Sie die eigene Meinung zurückhalten und dennoch das Gespräch führen. Ein Interview ist aber in jedem Fall mehr als die pure Abfrage nach dem Termin eines Festes und der Frage, was es zu essen und zu trinken gibt.
Regeln: Sie sollten den Gesprächspartner ernst nehmen, nur solche Fragen stellen, die er auch beantworten kann, präzise und ruhig penetrant fragen, nur eine Frage auf einmal, möglichst unter vier Augen (nicht vor Publikum) befragen. Keine Diskussionen anzetteln. Fragen Sie aber ruhig kritisch nach.

Autorisieren lassen

Das Wortlaut-Interview sollten Sie autorisieren lassen – das heißt, Ihr Gesprächspartner sollte es so zu lesen bekommen, wie es später in der Zeitung steht. Wenn der Interviewte Änderungen haben will, lassen Sie diese zu. Sie sollten aber aufpassen, dass der Interviewte Ihnen nicht die Fragen im Mund verdreht und das Interview einen ganz anderen Zungenschlag bekommt. Wenn dem so ist, bitten Sie den Redakteur um Hilfe. Zur Not lässt der dann das Interview ganz ausfallen. Schade, aber nicht zu ändern. Ansonsten gibt der Journalist seine Texte niemandem zum Lesen.

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

3 Kommentare:

  1. Prima Info. Da bei mir demnächst ansteht eine Pressemitteilung über ein Erotikmagazin (Xtme:Adult) zu schreiben, werde ich die Ratschläge beherzigen. Danke!

  2. Danke, liebe Pat. Ich hoffe, dein Magazin wird ein Erfolg. LG BL

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