Janosch, Post für den Tiger – was für ein Kinderbuch!

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Bild: pixabay.com/kweuffen0

Ach, waren die 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch eine glückliche Zeit – davon zeugt Janoschs Buch Post für den Tiger. 

Janosch musst du lesen!

Bei Janosch wissen wir nie, was wir besser finden sollen – die großartig schiefen Aquarelle, vollgestopft mit hinterfotzigem Humor und den kleinen Schlampereien von Bär und Tiger.
Oder doch die kongenialen Texte – einfach zu verstehen für die Nachwuchsleser und doch ein Vergnügen für die jetzt etwas lebenserfahreneren Lesestöpseln von einst. Die Texte sind ähnlich anarchisch und weise wie die wilden Bilder.
Das Ergebnis ist Lesestoff, den du einfach genossen haben musst, um ein halbwegs brauchbarer Mensch zu werden – dich also gegen den Irrsinn des Erwachsenseins zu widersetzen; wenigstens manchmal.

Sie haben Post

Und dann das: Post! Nicht das nervige „Sie haben Post“ des E-Mail-Zeitalters. Nicht das immer gegenwärtige Schmalz-Phone, in das eine ganze Generation von jungen (und nicht mehr so jungen) Leuten reinstarrt, auf der atemlosen Suche nach dem Seelenheil in den kleinen Flimmerkisten vor ihren Nasen. Können diese Ferngesteuerten überhaupt noch eine Amsel von einem Tintenfisch unterscheiden?
Der kleine Bär kann das; genauso wie sein Freund, der kleine Tiger.
Die beiden entwickeln ein wunderbar kindliches System, um erst sich, dann ihren Freuden Post zukommen zu lassen; echte Post, also Briefe, geschrieben mit blauer Tinte und einer Kanarienvogelfeder. Dazu einen Umschlag für den Transport; den übernimmt später die schnellen Hasen mit den flinken Schuhen.

Simple und doch schöne Fantasien von Janosch

Später kommen dann noch die Luftpost und das Telefon (als unterirdisches Röhrensystem) hinzu.
Tja, da könnte einen das Heulen ankommen; was uns an wunderschönen und doch so simplen Fantasien abhanden gekommen sind. Jammerschade! Heutige Nachwuchsleser von Elektro-Büchern finden sowas wohl nur noch albern: Der kleine Tiger will einen Brief von seinem Freund, dem kleinen Bären! Warum sollte der sich hinhocken und auf Papier schreiben? Der Kerl kann doch einfach sein Handy nehmen und seinen Freund anrufen! Oder ihm eine E-Mail schicken!
Klar, könnte er heute – und er merkt dabei gar nicht, wie erbärmlich arm an Fantasie unsere weichgespülte Welt mittlerweile geworden ist!

Wie schön, dass es wenigstens noch solche Bücher gibt …

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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