Irmgard Schertler, Die Suche nach dem verzauberten Prinzen

Prinz

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In ihrem Märchenbuch Die Suche nach dem verzauberten Prinzen schreibt Irmgard Schertler von einer Welt, die dem Paradies nahekommt.

Ein sanftmütiges, gutes Mädchen

In ihrem Märchenbuch Die Suche nach dem verzauberten Prinzen schreibt Irmgard Schertler von einer Welt, die dem Paradies nahekommt – zumindest ist die Seele der Protagonistin Michaela rein wie Schnee im Himalaya. So viel Güte muss belohnt werden – mit dem Traumprinzen für das gute Mädchen.
Sind wir nicht alle auf der Suche nach dem Traum-Partner? Dem Prinzen oder der Prinzessin, die uns aus den trüben Niederungen des Alltags herausholt? Und deren strahlendes Wesen auch uns erleuchtet?
Natürlich.
 Und auch Michaela geht es so, der Protagonistin aus Irmgard Schertlers Märchen. Denn sie ist anders – und kann mit dem schnöden Alltag nichts anfangen. Mit dem Traumprinzen, der sie liebt und auf Händen trägt, könnte sie schon etwas anfangen.

Michaela ist ein gutes Kind

Und sie erfährt auch bald, wieso sie anders ist. Sie ist sanftmütig, kann keiner Fliege etwas zuleide tun, ist zu allen Lebewesen gut. Und sie sitzt am liebsten unter der jungen Buche und träumt. Hier fühlt sie sich geborgen. 
Und als sie eines Tages auf der Bank einschläft, erscheint ihr der Traumprinz. 
Aber den gibt es, wie im Märchen üblich, nicht geschenkt. Michaela muss etwas dafür tun – wie gut, dass ihr die Aufgabe des Prinzen gelegen kommt: Sie muss zu allen Lebewesen gut sein. Und ihn retten. Das fällt Michaela ja nicht weiter schwer. Allerdings ist der in Michaelas Welt mit einer anderen Gestalt anzutreffen. Und das macht die Sache ein wenig komplizierter.

Tapfere Michaela 


Michaela also muss zu allen Lebewesen gut sein.
Zu allen Lebewesen, ob Pflanze oder Tier. Das ist so recht nach Michaelas Geschmack. Allerdings ist die ganze Angelegenheit ein wenig unübersichtlich – denn auf der Welt leben ja auch so viele Tiere und Pfalnzen. Michaela macht sich dennoch und sofort mit Feuereifer an die Arbeit, die Welt zu retten. Hört als Hilfsköchin auf, heuert als Gärtnerin an – weil sie hier viel Gutes für Pflanzen tun kann. Nur manchmal möchte sie vor der Größe und der Ungewissheit ihrer Aufgabe schier verzweifeln. Aber Michaela ist ein tapferes Mädchen, das ganz hartnäckig und unbeirrbar an ihrer Güte festhält. Die Anfechtungen verfliegen so schnell, wie sie gekommen waren.

Warum wir keine Traumprinzessin finden …


Und allmählich dämmert uns, wieso uns keine Traumprinzessin über den Weg läuft: Weil wir nämlich meilenweit davon entfernt sind, die Welt zu retten.
Gut, wir mögen Tiere. Und Pflanzen auch. Das hält uns Normalsterbliche allerdings nicht davon ab, eine Menge von ihnen jeden Tag zu fressen.
Aber wenigstens wissen wir jetzt, woran es liegt, dass wir so schmählich versagen.
Michaela hingegen schafft das.
Am Ende sind der gerettete Prinz und sie vereint.
Wie wunderschön.


Ein Märchen ohne Anfechtungen

Irmgard Schertler schreibt direkt, ungekünstelt und dennoch mit Emphase.
Das Büchlein ist eine schöne Lektüre für alle, die’s kuschelig mögen. Ohne Anfechtungen, ohne Arg, ohne Gegenspieler (bis auf die bösen Menschen, die den Prinzen in seiner weltlichen Gestalt bedrohen). Und für alle Leser, denen die Märchen der ollen Brüder Grimm zu blutrünstig und die des Dänen Anderson zu traurig sind. 
Wir sind gerührt von so viel blendendweißer Reinheit, wie Michaela sie ausstrahlt. Und wünschen uns den Kinderglauben zurück, der uns auch so vorbehaltlos an das Gute glauben ließ …

Irmgard Schertler, Die Suche nach dem verzauberten Prinzen, Ein Märchen, Engelsdorfer Verlag, ISBN 3937930515.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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