Irma Ondra, Die Launen der Reichen

Haushälterin

Bild: Pixabay.com/PublicDomainPictures

Die Reichen und Promis schützen ihre Sphären gerne vor den Niederungen der Normalsterblichen. Doch auch in der feinen Gesellschaft wird nur mit Wasser gekocht. 
Und da man natürlich nicht selbst kocht, stellt man dafür – und für vieles andere – Personal ein. Zum Beispiel Haushälterinnen wie Irma Ondra. 

Wie leben die Reichen?

Wie wird gelebt hinter den hohen Villenzäunen? Sind die Reichen auch reich an Glück und Herzlichkeit? Irma Ondra erhält tiefe Einblicke, bisweilen schmerzliche, oft kann sie nur staunen. Sie, die selber in Verhältnissen aufwuchs, in der Sauberkeit und Anstand das Wichtigste waren – weil man sonst nichts vorzuweisen hatte. Statt sich unterkriegen zu lassen, hat sie ein Buch geschrieben über ihre Erlebnisse als Hausangestellte bei denen „da oben“. Über eine Welt, in der die Menschlichkeit nicht immer auf der Höhe des Vermögens ist. Mit bissiger Ironie schildert sie die denkwürdigen Launen der Reichen und ihre eigene Odyssee durch die Villen der schicken Münchner Vororte, bis sie mit 54 Jahren die Stelle ihrer Träume findet.

Reiche sind langweilig

Das Haus am Eaton Place oder Downton Abbey: 2 englische TV-Serien, die ich mit großem Vergnügen gesehen habe. Oben wohnen die Reichen und Schönen, verwöhnt bis zum Gehtnichtmehr, gelangweilt und kapriziös. Unten leben und wirken die Dienstboten, stets um das Wohlbefinden der Herrschaften bemüht, mit kärglicher Freizeit und Lohn. Da gehört schon ein guter Magen dazu, sich so was anzutun. Die Autorin hat sich das angetan nachdem sie eine Lehre abgebrochen hatte und sie die darauffolgende Tätigkeit in einer Behindertenwerkstätte ausbrannte. So ging sie zu den Herrschaften in den Dienst. Und erlebte zum Teil ihr blaues Wunder, wie einerseits das Geld mit beiden Händen aus dem Fenster geworfen wurde, andererseits eine Bitte um Gehaltserhöhung mit Entlassung quittiert wurde.

Keine Anerkennung für die Arbeit

Persönliche Anerkennung will jeder für seine Arbeit bekommen, als Haushälterin kriegt man die aber eher selten. Denn alles ist viel zu selbstverständlich, die harte Tätigkeit des Putzens, der Gartenpflege und ähnlicher Geschäfte wird von jenen, die solche Mühsal nie bewältigen müssen, selten honoriert. Diese Autobiographie beschäftigt sich mit den Höhen und Tiefen im Leben einer Frau, die sich dafür entschieden hat, der jeweiligen „Herrschaft“ das Bett zu richten und den Dreck wegzuräumen.

Ich werde keine Haushälterin

Spätestens nach Lektüre dieses Buches, das zwar nie unter die Gürtellinie geht, weil die Autorin ihre Ex-Arbeitgeber nicht in die Pfanne haut, weiß ich genau: Haushälterin werde ich gewiss nicht werden. Das war lehrreich für mich. Am Rande erwähnt sei noch, dass es das Buch jetzt auch als eBook von BOD gibt, zu einem heftigen Preis, über den man nur den Kopf schütteln kann. Wäre ich die Autorin, würde ich das dringend ändern!

 Elsa Rieger 

 Irma Ondra, Die Launen der Reichen, Taschenbuch: 228 Seiten, Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (14. Dezember 2011),  ISBN-13: 978-3844871401, EUR 14,90  

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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