Houellebecq, Michel und Leopold Federmair: Ausweitung der Kampfzone

Bild: pixabay.com(OpenClipart-Vectors

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Houellebecqs erster Roman kam noch im Wagenbach Verlag heraus. Auch wenn er ein Bestseller wurde – gefallen muss er dennoch nicht …

Houellebecq präsentiert sich als dirty old man

Ein Roman, der in Frankreich Furore machte: Houellebecq, mit 40 Jahren im besten literarischen Mannesalter, wirbelt mit seinem Erstlingsroman „Extension du domaine de la lutte“ seit 1994 die intellektuelle Szene der Grande Nation kräftig durcheinander. So sehr, dass er dafür zwei Preise bekam: den „Grand prix national de lettres“ und den „Prix Flore“. Das schafft nicht jeder.

Schnellere Gangart mit Houellebecq

Und noch etwas ist bemerkenswert an dem schmalen Band: Mit ihm betritt der Klaus Wagenbach ein neues Feld literarischer Förderung. Die Ausweitung der Kampfzone für die Berliner. Die sind sonst weit davon entfernt, auf das Karussell der Bestseller-Belletristik aufzuspringen. Der Wagenbach Verlag ist sonst eher für eine gemächliche Gangart und für feine und hintersinnige Bände aus Italien und Frankreich zuständig. Doch im 35. Jahr des Verlagsbestehens musste es schon Michel Houellebecq sein. Das, so hörten wir, haben die Berliner bereits wieder bereut. Nicht, dass der Umsatz schlecht gewesen wäre mit der deutschen Ausgabe des Romans. Nein, aber den gallischen Shootingstar und sein nächstes Buch schnappte ihnen der Dumont-Verlag vor der Nase weg. Die broschierte Ausgabe kam dann im Rowohlt Verlag heraus.

Ein Houellebecq ist nicht treu

Das ist die Schattenseite des Erfolges – im Gerangel um die herausgehobenen Plätze in den Auslagen des Buchhandels und den Bestsellerlisten des Spiegels bleibt halt nicht jeder ein Gentleman. Auf Houellebecq jedoch kann der Verlag Klaus Wagenbach gut verzichten. Dafür ist, mit Verlaub, das Buch zu schlecht. Weder die Geschichte, noch der Stil sind bemerkenswert. Der Plot ist schnell erzählt: Ein Informatiker ekelt sich an der Welt ab und schreibt eine Art Tagebuch über seine bescheidenen kleinen Erlebnisse. Darin wurstet er auch noch hochfliegend Reflexionen à la Pensées von Pascal hinein.

Hochfliegend verwurstet – armer Pascal

Zusammen mit einer manchmal derb vulgären Sprache gibt das eine Melange, die wenig mundet. Aber die Auguren sind ja fix dabei, wenn es darum geht, das Lebensgefühl der aktuellen Jugend in einem Buch artikuliert zu finden. Damit liegen sie meist falsch; so auch hier. Schließlich ist Michel Houellebecq mit seinen 41 Jahren schon ein ziemlich alter Knochen.

Alter Knochen, auf jung getrimmt

Das jugendliche Leben tobt in anderen Köpfen. Ich entlasse den Verlag Klaus Wagenbach auch diesmal erst nach einem ceterum censeo: Wie wäre es denn einmal mit jungen deutschen Autorinnen und Autoren? Das sind, zur Erinnerung, die jungen Menschen, die in unserem Lande leben und schreiben. Solche Autoren zu publizieren, wäre eine spannende Aufgabe und stünde einem deutschen Verlag gut zu Gesicht. Es muss ja nicht gleich ein Bestseller sein.

Michel Houellebecq, Ausweitung der Kampfzone, Roman, Wagenbach Verlag, Berlin, 160 Seiten, ISBN-10: 3803131405, ISBN-13: 978-3803131409.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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