Höhl-Kayser, Anke: Ronar Fantasy-Roman

Bild: pixabay.com/Alex Hu

Anke Höhl-Kayser schreibt schöne Geschichten mit den gängigen Ingredienzien aus dem Genre Fantasy.

Schöne Geschichten – mit Fantasie

Mit ihren Büchern über Ronar hat Anke Höhl-Kayser schöne Geschichten mit den gängigen Ingredienzien aus dem Genre Fantasy abgeliefert. Das hat viel mit Fleiß zu tun – die notwendigen Kenntnisse zu sammeln, wie so ein Fantasyroman funktioniert und  welche Zutaten dort hineingehören. Und natürlich auch mit dem Fleiß, so ein Buch mit über 250 Seiten überhaupt zu schreiben.
Das verdient unsere Anerkennung – und die bekommt die Autorin auch. Und noch etwas vorweg: Leser, die Fantasy mögen und schier unersättlich nach feinem Stoff sind, werden das Buch sicher mögen.
Das ist in Ordnung, und damit könnte Anke Höhl-Kayser sofort das nächste Buch schreiben.

Ein paar Tipps

Doch ich habe ein paar Tipps, damit das dritte Buch noch besser wird (das zweite liegt vor und trägt den Titel Ronar, zwei Welten).
Zunächst einmal sehe ich dem Buch das brave Abarbeiten der Zutatenliste etwas zu deutlich an – da mag ich einen magischen Blick dafür haben; vielleicht bin ich auch etwas zu kritisch. Aber hier stimmt alles: Das einsame Findelkind Ronar, das bei einer einfachen Handwerksfamilie aufwächst und so ganz anders ist als die anderen Leute im Dorf. Sein Geheimnis, das sehr schnell deutlich wird (zumindest, dass er eines hat). Die Hexen, Feen, Zauberer im mysteriösen Wald an der Grenze des Dorfes. Die fremden, stolzen Reiter, die ins Dorf kommen. Dann die Reise ins Ungefähre und in die Gefahr (eben jenen Zauberwald), die Begegnung mit dem Guten und dem Bösen, die Kämpfe, die Anfechtungen, der messianische Retter eines armen Volkes mit höchst seltsamem Namen.

Mehr Inspiration bitte!

Was habe ich dagegen, dass alles stimmt? Das Buch ist mir zu brav und zu wenig inspiriert. Mir fehlt das überraschend andere Element. Das Eigene. Warum zum Kuckuck, schreiben wir, wenn wir nicht unsere Seele umkrempeln wollen? Unser Lied singen wollen – statt brav das zu schreiben, was marktkonform ist? Doch selbst, wenn man sich dazu entschließt, Bestseller zu schreiben, so erwarte ich immer als kreativer Mensch das Eigene. Damit möchte ich nicht Anke Höhl-Kayser zu nahe treten – mir ist das ganze zeitgeistige Fantasy-Geschwurbel zu wenig kreativ, zu sehr Einheitsbrei mit den immer gleichen Versatzstücken. Selbst die besten Bücher dieses Genres. Ich könnte schreiend davonlaufen! Von daher war ich vielleicht der falsche Rezensent für dieses Buches; das mag sein.

Auf Erfolg gebürstet

Ronar ist mir also zu sehr auf Erfolg gebürstet. Noch etwas stört mich – und das betrifft die Handwerkskunst. Anke Höhl-Kayser erzählt viel und beschreibt wenig. Wir bekommen – vor allem im ersten Teil – erst mal  Ronar erklärt: Was er ist, was er macht, was er nicht macht, was er mag, was er kann. Viel besser wäre es gewesen, das in kleinen Anekdoten und Szenen, im Dialog etwas mit seinen Stiefgeschwistern, zu zeigen. Wie Ronar, der Gutherzige, wieder eine Spinne rettet, die jeder in der Schmiedsfamilie zertrampelt und der älteste Bruder sagt: „Mensch, Ronar, du hast doch einen Knall!“ Und ihn die Schwester, die später entführt wird (von den fremden Reitern) und der Ronar nachreitet, in Schutz nimmt. Da käme gleich viel mehr Charakter durch, die Sache wäre lebendiger.

Ansehnliche Romane

Was bleibt unterm Strich? Ein durchaus ansehnlicher Roman. Und das können nicht alle behaupten, die es versuchen. Ein Buch, das ich als ersten Schritt in die richtige Richtung sehen würde. Und jetzt, als drittes Buch, würde ich mal Fünfe gerade sein lassen, mich von der starren Fantasy-Formel-Sammlung lösen und mal so richtig auf den Schlamm hauen. Dass es spritzt! Lass die Sau raus, Anke!
Und ein wenig mehr das Handwerkliche würde ich auch beachten. Dann wird das wirklich was Beachtliches …

Anke Höhl-Kayser, Ronar, Die fremden Reiter, ISBN: 978-3837052602.
Anke Höhl-Kayser, Ronar – Zwei Welten ISBN: 978-3842326293.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

Kommentar verfassen