Hessischer Fernradweg, Rhein-Main-Kinzig

Bild: Clker.com

Mit dem Rad durch Hessen, und das auf den historischen Spuren des Spätlesereiters – das hat seinen ganz eigenen Reiz.

2000 Kilometer mit dem Rad

2000 Kilometer Radweg gibt es in Hessen. Die Tour auf den Spuren von Karl, dem Spätlesereiter, ist eine der interessantesten. Sie führt von Rüdesheim nach Tann in der Rhön. Die Landschaft schön, die Route geschichtsträchtig. Und die Geschichte geht so: Lange Zeit ritt einmal im Jahr der Bote von Rüdesheim nach Fulda. Und zurück. In Fulda residierte auch damals der Bischof, dem ausgedehnte Rüdesheimer Weinlagen gehörten; wie die ums Kloster Johannisberg herum.

Ohne Erlaubnis gab es keine Weinlese

Ohne das Plazet des geistlichen Herrn durfte niemand mit der Weinlese beginnen. So war das damals. Auch im Jahr 1775 ritt ein Bote los – besagter Karl. Die Rüdesheimer sahen ihn im Morgengrauen verschwinden; und dann hörten und sahen sie nichts mehr von ihm. Endlich kam er mit der Leseerlaubnis zurück. Er hatte 14 Tage länger gebraucht als sonst, um sie abzuholen.

Die Spätlese erfunden

Niemand weiß, was auf seinem Ritt vorgefallen ist. Hatte er ein Techtelmechtel mit einem schönen Mädchen? Fiel er unter die Räuber und befreite sich erst nach zwei Wochen? Karl schwieg sich aus. Die Lesezeit aber war vorüber. Die Trauben an den Weinstöcken sahen gar nicht mehr gut aus. Weil aber die Rüdesheimer nun mal die Erlaubnis vom Bischof hatten, lasen sie die Trauben und kelterten sie.
Und siehe da – der Wein schmeckte vorzüglich. Ganz zufällig haben sie also im Jahr 1775 die Spätlese erfunden; und das nur, weil Karl so spät kam. Das ist die Anekdote von Karl, dem Spätlesereiter und seiner Route.

Den Routen Namen geben

Die Route ist eine der hessischen Femradwege, die der damalig zuständige Minister Lothar Klemm Stück für Stück umbenennen wollte. Weg von den Abstrakten Buchstaben-Zahlen-Kombinationen hin zu lebendigen Namen.
Über die Route des Spätlesereiters (240 Kilometer lang) gibt es ein Büchlein. Mit Spiralbindung, was gut auf den Kartenhalter des Fahrrads passt.
Es zerlegt  die Route in fünf Abschnitte. Und erklärt so einiges – die komplette und sehr detaillierte Wegbeschreibung, nützliche Adressen wie Fremdenverkehrsbüros, Hotels, Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Fahrradläden. Der Band ist übersichtlich und grafisch interessant gestaltet. Alles in allem ein gelungenes Werk, das Lust aufs Radwandem in Hessen macht.

Hessischer Fernradweg, Rhein-Main-Kinzig, Auf den Spuren des?Spätlesereiters, VUD Verlag, 92 Seiten, 9,90 Euro, ISBN-10: 3923719493, ISBN-13: 978-3923719495.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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