Gutes Schreiben erfordert Disziplin

Bild: pixabay.com/Mona Tootoonchinia

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Viele Menschen wollen gute Schriftsteller sein … aber nur wenige schaffen es. Den Unterschied macht eiserne Disziplin.

Machen Sie den Test: Nehmen Sie sich vor, jeden Tag um dieselbe Zeit literarisch tätig zu werden. Ohne Ausflüchte, konsequent, eine halbe Stunde lang. Beobachten Sie sich eine Woche lang dabei. Was passiert? Sie unternehmen alles, um diese Verabredung mit sich nicht einzuhalten.

Dummer Genie-Kult

Warum? Weil unser Unterbewusstsein Disziplin hasst. Und alles versucht, um der täglichen Fron zu umgehen. Das ist ganz besonders schade, weil Sie nämlich ohne Disziplin kein guter Schriftsteller oder Schriftstellerin werden.
Die landläufige Meinung sieht allerdings anders aus. Hier herrscht der Genie-Kult vor. Also die Meinung, jeder gute Schriftsteller/jede gute Schriftstellerin müsse ein Genie sein. Und Genies zeichneten sich dadurch aus, dass sie sich den schönen Dingen des Lebens widmen. Ganz nebenbei haben sie die genialen Ideen und bringen sie in Lichtgeschwindigkeit zu Papier. So funktioniert das aber nicht.

Harte Arbeit bringt es

Wer nicht bereit ist, jeden Tag zwei Stunden lang hart zu arbeiten, und das immer zur gleichen Zeit, der sollte den Traum aufgeben, jemals ein guter Schriftsteller, eine gute Autorin zu werden. „Genie ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration“ – das hat Thomas Alva Edison einmal gesagt. Und dem ist nichts hinzuzufügen.
Halten Sie sich daran. Sonst gehören Sie zu der großen Masse, die uns vorschwärmen, wenn sie Zeit hätten, würden sie ein tolles Buch schreiben. Die Idee dazu hätten sie. Ideen sind nett, aber nur mit der täglichen Fron setzen Sie Ihre Ideen in Geschichten um.

Jeden Tag zur gleichen Zeit

Nehmen Sie sich jeden Tag zur gleichen Zeit das Schreiben vor. Bereiten Sie sich so darauf vor, dass Ihnen nichts anderes in den Weg kommt. Das Telefon ausgestöpselt, die Türe zum Arbeitszimmer verschlossen. Dann bringen Sie sich durch Meditation in die richtige Trance. Und schreiben Sie los. Zwei Stunden jeden Tag, werden Sie sagen, die habe ich nicht. Doch, die haben Sie. Auch Ihr Tag hat 24 Stunden.

Zwei Stunden hat jeder

Schlafen Sie acht davon, ziehen Sie für die Mahlzeiten, Hygiene, Broterwerb und noch einmal zehn Stunden dazu – bleiben sechs Stunden. Wenn Sie zwei davon Ihren Kindern widmen und zwei davon Ihrer Ehefrau, was jeweils ungewöhnlich viel wäre, haben Sie genau die beiden Stunden, die Sie zum Schreiben brauchen.

Die Zeitfresser abschalten

Sie müssen nur die anderen Zeitfresser abschalten. Wer braucht schon das Fernsehen mit seinen ewigen Wiederholungen, wenn er unsterbliche Werke schreibt? Und lassen Sie Facebook Facebook sein – wieso müssen Sie dort jeden Tag 30 Minuten herumtaumeln und sich damit protzen, was Sie bald wieder für tolle Sachen schreiben werden? Lassen Sie Facebook links liegen und schreiben Sie die tollen Sachen.
Ohne eine gewissen Besessenheit geht es also nicht. Aber das ist auch wichtig, denn ohne Radikalität werden Sie kein großer Schriftsteller. Ohne die wird niemand ein großer Künstler.

Hindernisse aus dem Weg räumen

Schließlich müssen Sie ja all die Hindernisse aus dem Weg räumen, die Sie vom Schreiben abhalten wollen. Nichts darf Sie dabei stören. Auch Ihre Kinder nicht. Ihre zwei Stunden am Schreibtisch sind für alle tabu. Seien Sie dabei so radikal wie Thomas Mann – in dessen Haus wagte niemand laut zu atmen, wenn der große Zauberer schrieb.

Verschiedene Zeiten versuchen

Versuchen Sie verschiedene Zeiten. Abends, wenn die Kinder im Bett sind und die Ehefrau oder der Göttergatte in den Fernseher glotzt. Oder morgens zwei Stunden, ehe die Familie aufsteht. Wann immer Sie auch schreiben – tun Sie es mit der ehernen Konsequenz einer Maschine. Lassen Sie sich auch dann nicht davon abbringen, wenn Sie eine halbe Stunde lang Unfug schreiben. Manche Schriftsteller beiderlei Geschlechts machen das ganz bewusst; jeden Tag, am Anfang Ihres Schreibens. Dafür kommt in den restlichen 90 Minuten Gold.

Das Beste

Wenn Sie das alles beherzigen, holen Sie das Beste aus sich heraus. Sie müssen Ihre Texte dann nur noch ein Jahr lang liegen lassen und dann drei Mal radikal überarbeiten. Mindestens. Auch dabei darf Ihnen nichts heilig sein … Und so schaffen Sie es und werden ein großer Schriftsteller und eine gute Autorin.

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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