Grandes, Almudena: Lulú, ein erotischer Roman

Lulu

Bild: pixabay.com/Lorri Lang

Schnelle und obszöne Abenteuer hat die Protagonistin in Lulú – das Buch soll von einer Frau geschrieben sein, bedient aber eher die erotische Fantasie des Mannes.

Mut der Autorin?

Der Verlag lobt den Mut der Autorin, anzusprechen, was andere nicht einmal denken – doch was hier auf 288 Seiten zu lesen steht, das regt nicht besonders auf. Gut, die Lulú hat ein paar Obsessionen, und je älter sie wird, desto abstruser werden ihre kleinen Besessenheiten. Am Schluss gleitet die Geschichte gar in Untiefen ab, die wir von den Erzählungen um die „O“ zur Genüge kennen. Nur wirkt es bei Grandes nicht sehr überzeugend geschrieben. Da ist einem das Original in seiner Bedingungslosigkeit schon lieber – wenn es denn diese Art von Literatur sein muss.

Lulú: Wie die Geschichte der „O“ – nur schlechter

Nein, Grandes schreibt eine beinahe normale Geschichte. Lulú verliebt sich als Mädchen in den älteren Pablo, verbringt ein paar schöne Jahre mit ihm, bekommt eine Tochter von ihm und am Schluss lässt sie sich treiben, weil sie ihren Pablo wieder verlor. Die Erstarrung ihres Herzens stillen ihr auch die schnellen und obszönen Abenteuer nicht, denen sie sich hingibt.

Schnelle und obszöne Abenteuer

Das alles erhält noch eine gewisse Würze, weil Pablo immer mal wieder auftaucht und ihr seine Liebe gesteht – nur, um anschließend gleich wieder zu verschwinden. Ein Windbeutel also. Ein wenig Fantasie und einige kleine Tagträume sind auch noch im Spiel – das war dann schon alles.

Zu dürftig für einen Roman

Ziemlich dürftig für 288 Seiten – aus dieser Melange entsteht jedenfalls kaum ein Roman, und ein erotischer schon gar nicht. Zu durchsichtig ist das alles angelegt, zu sehr auf den mutmaßlichen Konsumenten solcher Literatur zugeschnitten – den männlichen Leser also, der eine gewisse Neigung verspürt, seine erotischen Fantasien zwischen zwei Buchdeckeln befriedigt zu sehen.

Erotische Fantasie von Männern – nicht von Frauen

Was daran weiblich sein soll, wie es der Verlag betont, bleibt im Verborgenen – außer, dass dieses Buch vermutlich von einer Autorin geschrieben ist; wobei man das auch nicht so genau weiß, heutzutage. Aber Verlag wie Autorin können sich ja auch mit dem Lob in manchen Rezensionen trösten, das sie bisher reichlich bekamen. Das soll uns weder beeindrucken, noch zum Gegenteil aufstacheln.

Mehr Erotik
Das Buch ist einfach schlecht geschrieben – denn wir halten nicht in Händen, als einen weiteren vergeblichen Versuch, weibliche Erotik in Worte zu fassen. Das jedenfalls ist keine.

Almudena Grandes, Lulú, Taschenbuch, 288 Seiten, Verlag rororo, ISBN-10 349923968X, ISBN-13 978-3499239687, 7.90 Euro.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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