Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht

Bild: pixabay.com/GokuKing

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Ganz Europa ist leergefegt – diese Vision entwirft Thomas Glavinic in seinem Buch Die Arbeit der Nacht.

Düstere Vision

Stellen Sie sich vor:
am Morgen zu erwachen, und außer einem Rauschen im Radio fehlt jeglicher Lärm, der in Großstädten wie Wien üblich ist.
Sie gehen hinaus, alles sieht aus wie immer. Bis auf einen Umstand: Es gibt außer Ihnen keinen Menschen mehr.
Ganz Europa ist leergefegt, muss Jonas feststellen.

Was wäre, wenn …

spielt Glavinic bis zum Exzess durch in seinem Roman. Er spielt mit den Lesern, macht nervös und atemlos, denn Jonas, der nach seiner Suche heimkehrt, fühlt sich beobachtet. Jede Nacht verändert sich etwas in seinem Umfeld (Die Arbeit der Nacht) und er denkt, da ist doch jemand, der diese Dinge macht. Das ist perfide. Wie er dahinterkommt, was nachts vor sich geht, möchte ich nicht erzählen.

Alt aber gut

ist das Sujet. Derartige Szenarien haben vor Glavinic schon viele bedient. Mit viel Action, Kampf, Scheußlichkeiten. Das tut der Autor nicht. Es ist eine spannende Reise ins Innere des Menschseins. Herzzerreißend. Das Buch ist still, schrecklich still, monoton fast. Und das macht echt Angst, man fühlt sich erdrückt. Ich finde das meisterlich!

Elsa Rieger


Thomas Glavinic, Die Arbeit der Nacht, ISBN 978-3423136945

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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