Giordano Bruno: Wanderer zwischen den Welten

Die Liebe war nicht immer das treibende Element der Kirchen.

Bild: pixabay.com/Dagmar Räder

Drei Bücher loten das Leben des Giordano Bruno aus – von seinen Anfängen als Dominikanermönch bis zum Scheiterhaufen der Inquisition. Heilig gesprochen werden in der katholischen Kirche andere …

Ein großer Geist der Renaissance

Giordano (Filippo) Bruno war ein Wanderer zwischen den Welten. Als Dominikanermönch löste er sich vom Diktum der Trinität – und geriet im zarten Alter von 19 Jahren das erste Mal mit der Inquisition aneinander. Deshalb verließ er rasch den Orden, sein geliebtes Nola – und floh schließlich aus Italien. Er zog durch Europa, Paris, London, Prag, Wittenberg waren Stationen seines Arbeitens und Lehrens an den Universitäten.

Giordano Brunos weite Horizonte

Das Wandern weitete Horizonte, war zugleich Ausdruck der Ruhelosigkeit seines Geistes. Der akzeptierte keine Grenzen, auch keine Diktate der Mutter Kirche. Seine ätzende Feder, seine beißenden Kommentare und die Beschäftigung mit zweifelhaften, aber damals wichtigen Künsten wie der Magie besiegelten schließlich sein Schicksal, das vor 400 Jahren auf dem Scheiterhaufen der Inquisition endete.

Philosophie der Renaissance

Brunos Philosophie ist einerseits gefangen in der Renaissance – er beschäftigt sich mit der Individualität des Menschen; und mit der umfassenden Dominanz der Kirche. Doch sein Denken ist auch modern – wenn er sich mit der Frage auseinandersetzt, wann das Bewusstsein in die Welt tritt. Und die Welt ins Bewusstsein. Auch anderes an Brunos Denken ist heute noch aktuell. Von daher ist er eine beachtenswerte Leistung, dass sich der dtv-Verlag einer Neuedition von Brunos Schriften annimmt.

Giordano Brunos wichtige Schriften

Elisabeth von Samsonow präsentiert den deutschen Lesern erstmals wichtige Schriften Brunos, die bislang nur auf Latein zu lesen waren. Eine editorische Leistung, die den Zugang zum Original erleichtert und uns Bruno mit neuen Augen sehen lässt. Das Buch erscheint in der Reihe Philosophie jetzt, herausgegeben von Peter Sloterdijk.

Porträt des Giordano Bruno

Mehr zum Autoren, Religionskritiker und Philosophen Giordano Bruno erfahren wir in Gerhard Wehrs dtv-portrait. Mit vielen Zitaten und Berichten von Zeitzeugen nähert Wehr sich dem Leben des großen europäischen Denkers.

Drewermann lässt Bruno seine Geheimnisse

Von einer ganz anderen Warte versucht es Eugen Drewermann. Der kritische Theologe schreibt Brunos fiktive Autobiografie aus den Kerkern der Inquisition, in der der Denker acht Jahre lang gefangen saß. Ein hochpoetisches Buch, das selbst in seiner Intimität Giordano Bruno noch genug Luft zur Eigenständigkeit und Geheimnisse lässt. Drei gelungene Bücher, um einen wichtigen Denker Europas kennen zu lernen.

Giordano Bruno, ausgewählt von Elisabeth von Samsonow, Reihe Philosophiejetzt!, herausgegeben von Peter Sloterdijk, 498 Seiten, dtv Verlag, München, ISBN-10: 3423306904, ISBN-13: 978-3423306904 – derzeit nur antiquarisch zu bekommen.
Giordano Bruno, dtv-portrait von Gerhard Wehr, 162 Seiten, dtv Verlag, München, ISBN-10: 3423310251, ISBN-13: 978-3423310253, derzeit nur antiquarisch zu bekommen.
Eugen Drewermann, Giordano Bruno oder Der Spiegel des Unendlichen, 412 Seiten, 19.90 Mark, dtv Verlag, München, ISBN-10: 3423307471, ISBN-13: 978-3423307475, derzeit nur antiquarisch zu bekommen.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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