Fine, Anne: Wer dem Teufel glaubt. Roman

Bild: pixabay.com/Graka M

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Ein wundervoller und weiser Roman über ein Eheleben – und das fast heitere Scheitern des Zusammenlebens von Mann und Frau.

Ehe ist gescheitert

Eigentlich will Oliver, ein Philosophie-Professor, nur seine akademische Autobiografie schreiben und alles heraus lassen, was im entferntesten an sein privates Leben erinnert. Er schreibt auch ein paar Kapitel, aber immer stärker drängelt sich sein Nachdenken über das Leben in seine Gedanken, das er in den vergangenen Jahren mit Constance führte. Die Ehe mit ihr ist gescheitert, da philosophiert Oliver nicht lange herum; gescheitert an den grundsätzlich so verschiedenen Charakteren der beiden.

Ein Rest an Liebe bleibt

Reizvoll ist Fines Roman nicht nur, weil eine Frau beschreibt, wie ein Mann seine Frau und die Ehe mit ihr sieht, sondern auch, weil Constance ab und zu die Papiere ihres Mannes findet und ihre Kommentare hinzusetzt – und die lesen sich ganz anders als Olivers Sicht der Dinge. Ein Rest an Liebe ist ihr geblieben; alleine, wie sie ihn beschreibt, spricht Bände: Ein wunderbares Gesicht, das mürrisch und ausdrucksvoll dreinschaut und den vollkommen unpraktischen Kerl so liebenswert macht.

Kinder wider Willen

Aber, es nützt ja nichts: Oliver fühlt sich von der Familie eingeengt. Alles, worum Constance ihn bittet, ist ihm nur lästige Unterbrechung seiner wichtigen Gedanken. Kinder wollte er keine, sie interessieren ihn einfach nicht. Und nun hat er zwei Mädchen mit Constance und weiß nicht so recht, wie er mit ihnen umgehen soll.
„Kinder verwandeln ihre Umgebung in hohläugige, knurrende Wracks“, schreibt er einmal.
Sie hat das alles gewusst, doch wie viele Menschen dachte auch Constance, sie werde ihn schon ändern, langsam dazu bringen, mehr als nur sich zu lieben und das, was er im Kopf hat.

Der Mensch ändert sich nicht

Pustekuchen. Ihre Erkenntnis: Der Mensch, sofern er erwachsen ist, ändert sich nicht. Wer sich also vom ersten Moment einer Partnerschaft an nicht blendend versteht, der sollte die Finger davon lassen von einem weiteren Zusammenleben. Constance ist so ganz anders als Oliver: Ihr ist objektives Denken fremd, sie liebt Kinder und eine Familie und alles, was damit zusammenhängt.

Frauen als seltsame Wesen

„Frauen haben einen viel zu gesunden Menschenverstand, um Philosophen zu werden“, kommentiert sie seine Klage über ihre mangelnde Objektivität. Kein Wunder also, dass sie eine Affäre beginnt mit ihre Gärtner, der nicht nur hilfsbereit und praktisch ist, sondern auch wunderbar mit Kindern kann.
Oliver schreibt seine Aufzeichnungen als geschiedener Mann weiter; seine Erkenntnisse sind von einer gewissen Bitterkeit geprägt: „Frauen sind seltsame Wesen, schon von Natur aus. Und durch die Ehe werden sie noch seltsamer. Mit der Scheidung aber verliert eine beträchtliche Zahl von ihnen schlicht den Verstand.“
Feinste Satiren

Ein Ende mit Gärtner

Die Geschichte von Oliver und Constance endet eher unspektakulär. Ein Weihnachten noch verbringt er bei seiner Familie, zu der mittlerweile auch der Gärtner, der neue Partners einer Frau, gehört. Und es geht so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Da beschließt Oliver einfach, seine Familie nicht mehr zu besuchen.
Anne Fine ist nach dem beachtlichen „Killjoy“ ein wunderbar leichtfüßiger Roman gelungen, der einen Ehekrieg auf die spitze Feder nimmt. Nur eines macht den Leser stutzig – wieso, zum Teufel, heißt der Roman so? Wo doch der Teufel mit keinem Wort erwähnt wird. Aber, kleine Geheimnisse müssen wohl sein.

Anne Fine, Wer dem Teufel glaubt, Diogenes Verlag, ISBN 10: 3257019017, ISBN 13; 978-3257019018.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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