Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – ein vollendetes Kinderbuch von Michael Ende

Jim Knopf

Bild: pixabay.com/Wilhan José Gomes wjgomes

Über 50 Jahre nach seinem Erscheinen hat Michael Endes Kinderbuchklassiker Jim Knopf nichts von seiner Faszination verloren – ein Buch über Freundschaft und Mut. Und ein herrliches Buch – nicht nur für Kinder. Jim Knopf ist auch die Geschichte einer Wandlung.

Viele Wandlungen in Jim Knopf

Die Geschichte von Jim Knopf ist die einer Wandlung; von vielen Wandlungen. Die beschauliche Insel Lummerland wird dabei ebenso erfasst wie das Leben ihrer Bewohner. Am Ende des Buches ist nichts mehr wie es war. Und aus dem kleinen, verängstigten Findelkind Jim wird ein schöner und mutiger Junge (und im zweiten Buch ein Prinz). Weil er einen starken und schlauen Freund hat, der Lukas heißt. Und weil sie zusammen den Mut haben, sich auf Wandel und Abenteuer einzulassen.

Wunderschönes Märchen

Ein wunderschönes Märchen. Und weil die beiden Helden um die halbe Welt reisen, bringen sie ihren Wandel auch dorthin. Michael Ende hat in die wunderbar kindgerecht geschriebene Geschichte viel Weisheit und eine Menge Liebe zu allen Kreaturen gepackt; vor allem für die Schwachen und Ausgestoßenen.

 Bücher der Kindheit – Jim Knopf gehört dazu

Wer als Erwachsener die Bücher seiner Kindheit wieder liest, wird von einem eigentümlichen Zauber umfangen: Da sind einerseits die Bilder der Kindheit, die sich mit den Bildern vermischen, die aus den Büchern aufsteigen. Und da sind andererseits Genüsse der ganz eigenen Art: Wunderbare Formulierungen, sympathische Ansichten des Autors, bunte Sprachbilder. Und das Vergnügen, den Text der Kindheit zum Teil wiederzuerkennen, zum Teil auch ganz neu zu genießen. Und wer die kongenialen Stücke der Augsburger Puppenkiste im Fernsehen gesehen hat, der freut sich, dass seine Lektüre auch einen eigenen Akzent gegen diese starke Konkurrenz setzen kann.

Zur Lektüre empfohlen

Jedem Erwachsenen ist also dringlich zu empfehlen, die Bücher seiner Kindheit in reifen Jahren wieder einmal zu lesen. Michel Endes Buch sollte dazu gehören. Das Buch hat auch nach über 50 Jahren nichts von seiner Faszination verloren. Er wartet mit einer starken Geschichte, faszinierender Fantasie und starken Bildern auf. Sprachlich ist es ganz sicher eines der wichtigsten Kinderbücher überhaupt, von der Wirkung her ist es das auch.

Stark berührt

Michael Ende hat eine Geschichte geschaffen, die uns stark berührt. Sein Geheimnis sind wohl die vielen irrwitzigen Fantastereien, die ein Erwachsener als lächerlich abtun würde – wenn er oberflächlich ist und das Denken scheut: Eine Insel (Lummerland), die kaum größer als eine Wohnung ist, und das doch von drei Erwachsenen bewohnt und von einer eigenen Bahnlinie umrundet wird. Ein Kind (Jim), das im Paket über das weite Meer geschickt wird. Eine Lokomotive, die übers Meer fährt. Ein Drache (Frau Mahlzahn), der Kinder quält, indem er sie unterrichtet. Und nicht zuletzt der Scheinriese, Herr Tur Tur, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt.

Anarchische Fantasie

Wenn man sich auf Endes herrlich anarchische Fantasie einlässt, lernt viel. Dass nämlich hinter dem Schein unserer fest gemauerten Normalität eine Welt auf und wartet, die wir nur reisend erleben – auf den Schwingen der Fantasie, auf der Reise zu uns selbst. Denn sind wir nicht alle kleine Waisenkinder, voller Angst vor dieser gefährlichen, unbekannten Welt? Wissen wir wirklich, woher wir kommen? Oder, welches Schicksal uns bestimmt ist?

Das verbindet uns mit Jim Knopf

Nein, das wissen wir nicht. Und das verbindet uns mit Jim Knopf. Doch der hat uns etwas Wichtiges voraus: Er hat in Lukas einen Freund, der klug ist, mutig und so stark, dass er sogar Eisenschienen zu Schleife binden kann. Und Jim hat zweitens den Vorteil, dass er Lukas vorbehaltlos vertraut. Damit lernt er, seine Angst zu überwinden, sich seinem Schicksal zu stellen und alle Abenteuer seiner (Lebens-)Reise zu bewältigen.

Die Angst besiegen, das lernen wir bei Jim Knopf

Mit Jim Knopf lernen wir: Wenn man Angst hat, sieht alles viel schlimmer aus, als es in Wirklichkeit ist. Oder anders herum: Bei Herrn Tur Tur, dem Scheinriesen, hat Jim gelernt, dass vieles, was vom weitem gefährlich und unüberwindlich aussieht, bei näherer Betrachtung aber an Schrecken verliert.Jim Knopf ist auch eine Geschichte über den Mut, den wir alle gut in unserem Leben brauchen können.

Michael Ende, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Thienemann Verlag; Auflage Februar 2004, ISBN-10: 3522176510, ISBN-13: 978-3522176507, 14,90 Euro.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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