Mutmacher für Kinder: Jim Knopf und die wilde 13, vom unsterblichen Michael Ende

Jim Knopf

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Kinderbuchklassiker: In Michael Ende zweitem Band von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer wird die wilde 13 besiegt und gezähmt. Wie bei Tur Tur: Das Unbekannte ist oft nur vom Weitem furchterregend. Der Kinderbuchklassiker ist ein echter Mutmacher.

Jim Knopf als richtiger Abenteurer

Wer ein richtiger Abenteurer ist, der gibt sich nicht damit zufrieden, faul auf seiner kleinen Insel herumzusitzen – und sei sie auch so verlockend schön wie Lummerland. Das ist auch nicht das, was Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer wollen.
 Gut, sie haben das Problem der Überbevölkerung von Lummerland gelöst, indem sie im ersten Abenteuer (Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer) ein „Neu-Lummerland“ zur Insel hinzufügten. Die Prinzessin ist befreit und die anderen Kinder auch; und Jim und Li Si, die Prinzessin von Mandala sind sozusagen verlobt.

Alles ist bestens, aber langweilig auf Lummerland

Nur, wie gesagt, für echte Abenteurer ist so ein beschauliches Leben ein wenig mopsig. So sind die beiden froh, dass es eines Tages ein Problem, das dringend nach einer Lösung schreit und echte Abenteurer braucht, um es zu lösen: Der Postbote stößt mit seinem Postschiff an Neu-Lummerland. Und da merkt König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte, der Monarch der Inseln: So kann es nicht weitergehen. Lummerland braucht einen Leuchturm – nur wie? Und woher? Schließlich sind die beiden Inseln so klein, dass da unmöglich ein normaler Leuchtturm darauf Platz finden kann. Normale Leuchttürme sind unten viel zu breit für die kleine Insel.

Jim Knopf hat die zündende Idee

Da hat Jim Knopf eine Idee: Wie wäre es, wenn sie Herrn Tur Tur nach Lummerland holten? Der sieht von weitem riesig aus, ist aber, aus der Nähe betrachtet, so groß wie du und ich. Wenn der Scheinriese Leuchtturm spielte und nachts eine Laterne in den Himmel hielte, wäre allen geholfen. Lassen wir mal, großzügig, wie wir sind, die Frage außer acht, wie einer die ganze Nacht wohl eine Laterne in der Hand halten kann. Geschenkt, denn ganz normal ist Herr Tur Tur natürlich auch nicht.

Herr Tur Tur kann es einfach

Und der Reigen der Vorteile geht weiter: auch Herrn Tur Turs Einsamkeit wäre endlich vorbei – und auf Lummerland hätte niemand Angst vor dem Riesen. Denn die Insel ist zu klein, um sich zu weit von Herrn Tur Tur zu entfernen. Damit kann der Scheinriese gar nicht mehr seine Scheingröße entfalten. Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer stürzen sich ins nächste Abenteuer. Da hält die Freunde nichts mehr und auf geht‘s ins nächste Abenteuer. Das bringt wieder große Gefahren und erstaunliche Verwicklungen. Aber Jim Knopf und sein Freund Lukas meistern diese wieder mutig und fintenreich.

Wie bei Tur Tur: Das Unbekannte ist oft nur vom Weitem furchterregend

Auch in dieser Geschichte ist Michael Ende seiner Prämisse vom ersten Buch – Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – treu geblieben. Sie lautet: Nur das Unbekannte macht Angst. Wenn du näherkommst und es auch der Nähe betrachtest, ist das Unbekannte meist gar nicht furchterregend. Genau so wie wie Herrn Tur Tur, der nur von weitem Furcht einflößend aussieht.

Scheinriese und Halbdrache Nepomuk. Und die wilde 13

Wunderschön beleuchtet das die Szene mit dem Scheinriesen und dem Halbdrachen Nepomuk, die sich beide voreinander verstecken, weil sie den anderen nicht kennen und deshalb schreckliche Angst haben. Dabei sind doch beide ganz harmlose, liebenswerte Geschöpfe.
Geschichte von Frau Mahlzahn vollendet sich
Mehr noch als im ersten Buch von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer ist die Geschichte sehr vielschichtig und dennoch klar konstruiert. Der Spannungsbogen wölbt sich über beide Bücher hinweg, vieles wird wieder aufgenommen und im zweiten Buch vollendet: Die Geschichte von Frau Mahlzahn; oder, natürlich, die Geschichte der wilden 13, den schrecklichen Piraten. Die sind natürlich in letzter Konsequenz genauso wenig fürchterlich wie Herr Tur Tur. Und nicht einmal 13 Mann stark …
Jim besiegt die Piraten mit List, Mut und Tücke, vergibt ihnen und macht sie ebenso zu seinen Freunden wie den einst schrecklichen Drachen Mahlzahn. Und besiegt werden sie zu Unbesiegbaren. Eine gelungene Dialektik.

Jim Knopf als Prinz

Am Schluss ist Jim Prinz Myrrhen, der Nachfahre des Morgenland-Königs Kaspar, der schon an der Wiege des Menschensohn stand. Nachfahre Jim ist Herrscher eines riesigen Reiches, das aus der Versenkung auftaucht und sich aus dem Meer erhebt. Lummerland ist nur ein kleiner Teil davon.
Wunderschöne Geschichte
Es ist eine wunderschöne Geschichte mit starken Bildern und tragender Symbolik. Und eine voller Liebe zu allen Geschöpfen. Die Geschichte ist Kunst: Sie verbindet Unterhaltung für KInder mit philosophischem, aber unangestrengtem Tiefgang. Jim Knopf und die wilde 13 ist zu Recht seit mehr als 50 Jahren ein Renner.

Michael Ende, Jim Knopf und die wilde 13, gebundene Ausgabe: 280 Seiten, Thienemann Verlag; Auflage: 1. (1. Februar 2004), ISBN-10: 3522176510, ISBN-13: 978-3522176514, für Kinder von 6 – 9 Jahren, 14,90 Euro.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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