Ecker, Diana: Der Freiheit kurzer Sommer

Bild: pixabay.com/OpenClipart-Vectors

Diana Ecker begibt sich auf die Spuren der Revolutionärin Mathilde Franziska Anneke. Sehr ambitioniert und engagiert.

Badische Revolution

Die Deutsche – für manche auch die Badische – Revolution beginnt im Jahr 1847 mit den Forderungen des deutschen Volkes im Salmen zu Offenburg und endet nach dem badische-pfälzischen Aufständen im Sommer 1849. Dazwischen lag der legendäre Hecker-Zug durch Baden. Eine, die von Anfang an aktiv teilnahm an den revolutionären Umtrieben, war die Journalistin Mathilde Franziska Anneke. Sie gab zwischenzeitlich mit ihrem Mann Fritz in Köln die fortschrittliche Neue Kölnische Zeitung heraus (ein Konkurrenzblatt der ebenso revolutionären Neuen Rheinischen Zeitung von Marx und Engels), begnügte sich aber bald nicht mehr mit dem revolutionären Wort; sondern schritt zur Tat.

Annekes Zug mit den Revolutionären

Zusammen mit ihrem Mann Fritz, der bei den Revolutionären mitkämpft. Unfassbar für eine Frau in damaliger Zeit! Vor allem ihr Zug mit den Revolutionären durch die Pfalz und Baden ist verbürgt und einigermaßen gut dokumentiert. Später im Exil in den USA, hat Mathilde Franziska Anneke von ihren Aktivitäten berichtet. Erhalten sind auch die Briefe und Bildnisse von ihr.
So gelingt Diana Ecker einerseits ein recht genaues Bild einer für damalige Zeiten höchst ungewöhnlichen Frau (und vielleicht wäre sie das auch heute noch).
Aber die Autorin geht weiter. Sie begibt sich auf die Spuren Mathilde Franziska Annekes, besucht die Orte der Revolution. Gut, das geht manchmal ein wenig weit … etwa wenn Ecker sich als mitkämpfende Schwester Seite an Seite mit ihrem Sujet fantasiert. Aber das offenbart andererseits einen ganz eigene Reiz von aktiver Geschichtsschreibung – und wir können uns vieles besser vorstellen.

Liebe. Ficken. Tod

Idealistisches Buch über die Revolution

Eckers Buch ist ein parteiisches und ein idealistisches dazu. Aber es ist auch eine gute Grundlage, wenn wir uns auf die Spur des revolutionären Erbes machen wollen. Und das ist heute verdammt nötig- so, wie uns das Finanzkapital knechtet. So brauchen wir nur mal in Ruhe die 13 Forderungen des deutschen Volkes lesen – verfasst im September 1847 in Offenburg. In der Gaststätte Salmen trafen sich Verfassungsfreunde aus ganz Baden zu einer Volksversammlung. Pressefreiheit forderten sie. Persönliche Freiheit und Demokratie.  Wer jetzt aber meint, das haben wir schon alles, der lese sich nur mal Art. 10 durch: „Wir verlangen Ausgleichung des Missverhältnisses zwischen Arbeit und Capital. Die Gesellschaft ist schuldig die Arbeit zu heben und zu schützen.“
Wir haben noch ganz schön viel vor uns – nicht wahr?

Ecker, Diana, Der Freiheit kurzer Sommer, ISBN  978-3897357273

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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