Die Zaubermärchen

Zaubermärchen? Sind die heute noch die Spitze des Zeitgeistes? Es gibt einen Schriftsteller, der beharrlich antwortet: Das ist mir egal. Nicht nur als Trotz, sondern aus Überzeugung. Klaus Krüger heißt er. Um Einblicke in seine Denkweise zubekommen, schauen wir uns am besten das Vorwort zu seinem Buch „Die Zaubermärchen des Freiherrn Bock von Wülfingen“ an:

Vorwort

„Mit meiner Großmutter verband mich eine tiefe Freundschaft. Wir mochten uns sehr, und sie fühlte sich wohl verantwortlich für mein Pech. Sie hatte als Geschäftsfrau wenig Zeit für ihre eigenen vier Kinder gehabt – und meinte jetzt, ich hätte die Schäden abbekommen. Als Einziger und als Enkel wohlgemerkt. Denn aus dem Rest der Familie war etwas Ordentliches geworden: stattliche Menschen, die zielstrebig ihren Weg gingen und ihr Leben als Hausfrauen, Künstler und Angestellte verbrachten. Und deren Kinder die Schulen und die Universitäten durchflogen, wunderbare Berufe erlernten und bald eine eigene Familie gründeten. Nur ich war zu dick, zu faul und hatte es damals, mit 33 Jahren, zu keinem geregelten Einkommen gebracht. Von einem ordentlichen Hochschulabschluss oder Beruf ganz zu schweigen. Nein, ich liebte es, mich in meine Bücher zu vergraben, zu lesen und selbst wilde Geschichten zu spinnen. Mit denen hatte ich allerdings keinen Erfolg, und der Rest der Familie lächelte milde über meine verzweifelten Versuche, ein Schriftsteller zu werden. Darin war ich hartnäckig und nicht zur Vernunft zu bringen, wie meine arme Mutter händeringend feststellte. Das beeindruckte meine Großmutter offensichtlich; ich verbrachte viele Stunden in ihrem windschiefen Häuschen, wir tranken Tee und erzählten uns Geschichten.

Genieße das Abenteuer Familie!

Geschichte mit Mops

Eines Tages schenkte sie mir ein seltsames Buch. Es war eher eine Kladde mit blau, gold, weiß gestreiftem Einband. Vorn war ein Bild eingeklebt: Ein stolzer Offizier stand in einer altertümlichen Uniform neben seiner Frau mit schön frisiertem Haar, die in einem Sessel saß. Das war der Freiherr Bock von Wülfingen, teilte mir das Buch in der Bildunterschrift mit. Es folgten einige Gedichte über die Liebe, die Natur – und den Mops. Auch das klärte sich bald auf: Denn das letzte Bild des Büchleins zeigte einen schwarzen Mops, der frech den Betrachter angrinste. Ich nahm das Buch höflich entgegen, wenn ich auch wenig damit anzufangen wusste – denn ich fühlte mich als Schriftsteller, nicht als Dichter. Doch zu Hause machte ich eine magische Entdeckung: Wenn ich dem Mops in die Augen schaute, verschwammen Raum und Zeit.

Versponnene Geschichten

Mir kamen Geschichten in den Sinn, wie ich sie vorher nicht einmal zu träumen gewagt hatte. Einige von ihnen habe ich hier aufgeschrieben. Ich möchte sie Märchen nennen, weil sie gar zu versponnen sind. Und ich glaube, dass sie eigentlich der Freiherr Bock von Wülfingen geschrieben und irgendwie in das Büchlein gezaubert hat – denn mir wären solche Geschichten nie eingefallen.“
Die Geschichten spielen in der kleinen Stadt – dem richtigen Ort für Zaubermärchen.

Lesenswert! Klaus Krüger, Die Zaubermärchen des Freiherrn Bock von Wülfingen

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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