Heimatgeschichte, spannend aufbereitet: Der Münstergeneral und die Badische Revolution

Münstergeneral

Bild: pixabay.com/Mischelle Sandowich

Ulrike Rödling und Heinz Siebold legen im Buch „Der Münstergeneral“ eine Biografie von Georg von Langsdorff vor und beleuchten die Badische Revolution. Und bieten gute Einblicke in eine verworrene Zeit.

Ein Häuflein Rebellen

Die Revolution hat Konjunktur. Wie bei allen wichtigen Jubiläen, erschienen auch über die deutsche Erhebung von 1848 zahllose Bücher. Der Münstergeneral ist eines davon; und er ist ein wichtiges Buch – weil es Fakten bringt, die bislang wenig publik waren. Und weil es die Ereignisse in Freiburg zusammenfasst. So wäre die Schwarzwald-Metropole beinahe die Hauptstadt der Deutschen Revolution geworden. Doch sie spielt dennoch eine wichtige Rolle in der Badischen Revolution – ähnlich wie das an sich beschauliche Offenburg: Hier trafen sich die Demokraten schon 1847 im Salmen und formulierten die Forderungen des Volkes. 

Revolutionäre waren militärisch zu unerfahren

Zurück zu Freiburg: Die Revolutionäre um Hecker, Struve und Langsdorff hatten sich für die Breisgau-Metropole eine tragende Rolle ausgedacht. Doch sie waren militärisch zu unerfahren, um Freiburg im Handstreich zu nehmen. Friedrich Hecker, Gustav Struve und Franz Sigi, der Befehlshaber der Revolutionstruppen, marschierten mit ihren Leuten getrennt von Konstanz nach Freiburg. Es kam, wie es kommen musste: Alleine waren sie nicht schlagkräftig genug, einzeln ließen sie ihr Häuflein von den Truppen der Reaktion aufreiben.

Georg von Langsdorff hielt das Freiburger Münster

Trotz des siegreichen Scharmützels am Sternwaldeck (dem einzigen Sieg überhaupt) gelangten die Revolutionäre nicht in die Stadt. Nur ein kleiner Teil hielt dort Stellung, geschart um den Münstergeneral Georg von Langsdorff. Seinen Namen hat er weg, weil er aufs Freiburger Münster hochstieg, um die Lage zu erkunden.

Von Langsdorff, ein Sohn aus guten Hause, als Revolutionär

Dabei war Langsdorff kein General, sondern ein Sohn aus gutem Hause, der Medizin studierte.Seine Aufzeichnungen sind es, die in das Buch einfließen. Und er hatte tatsächlich ein interessantes Leben, ehe er mit beinahe 100 Jahren starb. Hier zeigt sich aber auch die Schwäche des Buches: Die einzelnen Kapitel sind zu sehr in sich geschlossen. Eines behandelt den Kampf um Freiburg (Ostern 1848). Ein anderes widmet sich Langsdorff und seinem langen Leben. Ein weiteres kehrt wieder zu den revolutionären Unruhen zurück und beleuchtet die revolutionären Turner oder den Fabrikanten Carl Metz. Das erzeugt unnötige Unruhe beim Lesen.

Geschichtliche Fakten wiederholen sich

Unschön ist auch, dass sich in den einzelnen Kapiteln die geschichtlichen Fakten immer wiederholen – nur aus anderen Perspektiven erzählt. Es wäre gut gewesen, die ganze Geschichte nur aus einer Perspektive zu erzählen: Langsdorff hätte sich dafür angeboten. Darüber dürfen wir aber nicht vergessen, wie wichtig das Buch ist: Wir erfahren viel, auch über die preußische Siegerjustiz in Freiburg und über das Schicksal der Revolutionäre, die davonkamen. Für Freiburg-Freunde und Sympathisanten Badens ein Kleinod lokaler Geschichte.

Ulrike Rödling / Heinz Siebold, Der Münstergeneral, Menschen und Ereignisse, Freiburg in der Badischen Revolution 1848/49, zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen, 208 Seiten, Verlag, Moritz Schauenburg, Lahr, ISBN-10: 3794605055, ISBN-13: 978-3794605057. Das Buch ist derzeit nur noch antiquarisch zu bekommen.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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