Carl Hiaasen, Der Reinfall

Carl Hiaasen
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Eine recht durchwachsene Leistung liefert Carl Hiaasen mit dem Buch der Reinfall ab. Vielleicht sollten wir es als Teil der Punk-Kultur begreifen; dann ist es wieder witzig.

Auf Amazon schreibt ein Rezensent, er habe das Buch am Strand auf Thailand gelesen. Das würden wir sicher alle gerne tun. Aber glücklich war er damit nicht. Im Gegenteil, es hat ihn aggressiv gemacht, so schlecht war es.

Ein wenig hat wohl auch eine Rolle gespielt, dass es das einzige Buch war, das er noch nicht gelesen hat. Und dann das – so ein Mist!

Genug Alternativen zu Hiaasen

Ganz so schlimm war es bei mir nicht. Ich war auch nicht auf Thailand, um aggressiv zu werden; sondern auf Fehmarn, um mich zu beruhigen. Zum Glück hatte ich in dem Bücherkorb unseres Ferienhauses noch genug Alternativen.

Ich habe das Buch sogar freiwillig zuende gelesen. Ich wollte einfach wissen, ob es tatsächlich so weiter geht, wie sich das androhte. Es ging. Am Ende war ich einigermaßen ratlos. Ein paar witzige Ideen, eine Menge schräger Figuren. Und ein Mord, der keiner war; aber die ganz große Rache der „Ermordeten“ hervorrief. Noch einmal im Buch kopiert in etwas kleinerer Besetzung. Und dann doch noch, ein echter Todesfall.

Worum geht es? Um den Meeresbiologen Dr. Charles Regis Perrone. Obwohl, den Dr. sollten wir gleich wieder vergessen – Chaz, wie Perrone überall heißt, hat ihn sich erschlichen und erkauft. Und Biologe? Eher weniger. Chaz ist so naturverbunden wie ein Kunstrasenplatz. Und deshalb hat er auch kein Problem damit, sich von Red Hammernut schmieren zu lassen. Der Großfarmer verseucht durch die Abwässer seiner Felder die Evergladessümpfe Floridas, der falsche Doktor bescheinigt dem Wasser beste Qualität. Denn Chaz ist für das Messen der Werte bei der Aufsichtsbehörde zuständig.

Was ist hier eigentlich ein Reinfall?

Irgendwann meint er, seine Frau Joey wäre ihm auf die Schliche gekommen – also lädt er sie zu einer Kreuzfahrt ein. Vorgeblich zum zweiten Hochzeitstag, in Wirklichkeit will er sie ermorden.

Joey überlebt, was zunächst nur keiner weiß. Und nun beginnt ein irrwitziger Tanz um ihre Rache, die sie nimmt. Das und die schrägen Figuren machen den Reiz des Buches aus. Es kommt immer abstruser. Wer das mag, der wird das Buch lieben. Alle anderen stoßen sich eher an der völlig unlogischen Handlung. Das fängt schon damit an, dass so wichtige Sachen wie Wasserproben nicht einer Gegenkontrolle unterzogen werden. Und hört damit auf, warum Joey ihren Mann nicht einfach anzeigt. Angeblich soll es ja für dessen Mordversuch keine Belege geben – doch das ist Unfug. Joey und ihr Helfer Mick Stranahan, ein Ex-Polizist, wissen sehr bald von des Doktors Treiben in den Sümpfen.

Tröstliche Figur

Was mich ein wenig getröstet hat, war die Figur des Tool. Die war durchgehend stimmig, wenn nicht weniger irre als die anderen. Und Tools stille Hingabe an die alte Lady, die an Krebs stirbt. Wenn Tool auch ein Widerling ist, durch und durch, so schließen wir ihn allmählich in unser Herz.

Das Ende der Geschichte ist schließlich ähnlich abgedreht, wir dürfen sie nicht mit den Gesetzen der Logik betrachten. Aber stark ist es. Wie das Buch; eigentlich. Wir müssen es nur als Punk betrachten. Dann passt es.