Buchvorstellung – Kay Löffler, Dorf der Wolkenmacher

Cover Dorf der Wolkenmacher

 

 

Im Frühjahr 2012 begann im Rheinischen Braunkohlenrevier zwischen Köln und Düren eine Waldbesetzung, die bis heute andauert. Bundesweit ging diese Umweltaktion, die sich gegen die Rodung des alten Waldes richtet, durch die Medien, als mit einen tagelangen Großaufgebot Aktivisten von Spezialkräften aus Baumhäusern und selbst gegrabenem Tunnel geholt wurden.

Diese Besetzung des Hambacher Forsts begann mit einer Lesung aus Kay Löfflers Roman „Dorf der Wolkenmacher“, in dem er bereits Jahre zuvor eine Clique Kinder beschreibt, die erfährt, dass ihr Wald und ihr Dorf einem industriellen Großprojekt geopfert werden soll. Marvin, der gerade erst die Liebe entdeckt, und seine Freunde leben sorglos in den Tag hinein, bis sie die Wahrheit erfahren. Und damit beginnt für sie das Erwachsenwerden.

Nehme ich den Kampf auf?

Wie gehe ich mit Problemen um? Ignoriere ich sie und hoffe darauf, dass sie sich von selbst lösen? Nehme ich den Kampf auf? Wehre ich mich mit Gewalt? Und wenn ich den Kampf verliere, wie mache ich weiter? Verkrieche ich mich schmollend in einer Ecke? Ducke ich mich, mache mich unsichtbar? Oder starte ich erhobenen Hauptes einen neuen Versuch? Lohnt sich ein Kampf überhaupt, wenn man auf verlorenem Posten steht, wenn der Gegner übermächtig ist?

Die Kinder nehmen den Kampf gegen den Industriegiganten auf. Und ausgerechnet Marvins Vater, Polizist in dem kleinen Städtchen, wird mit den Ermittlungen gegen die Störer beauftragt.

„Dorf der Wolkenmacher“ wird empfohlen vom BUND NRW und wird an einigen Schulen im Unterricht verwendet, ist dennoch aber fast nur in den Braunkohlenrevieren bekannt. Dabei steht diese Art der Umweltzerstörung nur als Synonym für viele andere Möglichkeiten. „Das kann überall passieren,“, sagt der Vater an einer Stelle des Buches, „aus vielen Gründen: Kohle wird gefunden oder ein Stausee geplant, eine Autobahn gebaut, Grenzen verschoben, ein Flughafen erweitert … In irgendeiner Form kann das überall passieren.“

Der AutorOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Kay Löffler, geboren 1958, veröffentlichte 1999 seinen ersten Roman „Ermittlungsdienst Chorweiler“, der nahe der Realität das Arbeiten und  Leben in einem deutschen Getto beschreibt. Er lebt heute in Elsdorf, am Rande eines Loches mit gewaltigen Ausmaßen. Von dem 5.500 Hektar großen, über 1.000 jährigen Wald, der dort einmal stand, sind derzeit nur noch 1.000 Hektar geblieben.
Homepage: http://kayloeffler.eu/

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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