Bruderlustigs Spinnerey – Gespenster

Bild: Pixabay.com/Alexas_Fotos

Gespenster können wir so oder so sehen. Die meisten von uns sehen sie gar nicht und winken bei dieser Frage ab. Pah, Gespenster! Ja, spinnst du denn? Allerdings gibt es andere, die Gespenster richtig lieb haben. Warum bloß?

Vor Kurzem ist mir ein alter Burgbote in die Hände gefallen, mit einem eigentümlichen Artikel über die erdabgewandte Seite der Vernunft. Deshalb soll heute von Gespenstern die Rede sein – und nicht von solchen in der großen Politik. Nein, die Ronneburg empfiehlt sich in diesem alten Artikel wieder einmal für ein spannendes Wochenende; die Burgfestspiele stehen an. Nun hat sich der Förderkreis etwas einfallen lassen, um Werbung zu machen für das Spektakel und tatsächlich diesen Burgboten herausgebracht. Da gibt es allerlei lustige Geschichten und Hintergründiges zu lesen.

Mit Hintergrund

Und wer es schon immer geahnt hat, in der Ronneburg gespenstert es. Das erfahren wir aus einem Artikel. Ein Radiästhesist hat gemessen und an vielen Stellen gespenstische Energie gefunden. Nicht nur das; er beschreibt auch ganz genau, wessen Gespenst dort umgeht.

Ein geistliches Gespenst

Zum Beispiel das eines Geistlichen, einem gutherzigen Kerl zu Lebzeiten, dem man ausgerechnet eine böse, böse Folterbank in die Kammer gestellt hat. Obwohl es die – historisch betrachtet –  doch gar nicht gab auf der Burg. Da sitzt der arme Geistliche nun in der Ecke (als Gespenst) und wimmert sich eins über die schlimme, schlimme Welt, die ihn auch nach dem Heimgang so quält. Ist ja auch eine Unverfrorenheit für einen Geistlichen, jeden Tag auf das speckige Holz des Marterinstrumentes zu starren. Die Hölle könnte nicht schlimmer sein – das hat er nun von seiner Frömmigkeit. Und wir fragen uns: Was macht der hier?

Und die Besucher?

Das ist natürlich auch nicht besonders schön für die Besucher. Drücken sich ängstlich um die kalten Steine herum und hören dieses Wimmern des gespenstischen Geistlichen, ohne ihn zu sehen. Da müssen sie doch denken, ihr Smartphone ist kaputt. Scheußliche Vorstellung. Wirklich!

Arroganter Pfarrer

In einem anderen Erker sitzt zur Abwechslung mal ein arroganter Gottesmann, der predigt und predigt und predigt… egal, ob ihm jemand zuhört oder nicht. Und dabei in einem dampfenden Topf Kartoffelsuppe rührt. Der Pfarrer heißt Kleinstiehl, Benno Kleinstiehl, ein Doktor oben draufgepackt. Er lebte und predigte im frühen 17. Jahrhundert in Hüttengesäß. Er hatte alles, was er brauchte: seine kleine, überschaubare Gemeinde an wohl geformten Katholiken, sein gemütliches Pfarrhaus und seine Kartoffelsuppe; mit viel Speck und einem Blubb Sahne. Seine Lieblingsspeise. Dreh- und Angelpunkt eines häuslichen Glücks war Marie, eine herrlich dralle Person mit lustig blitzenden blauen Augen. Hochwürden hob ihr gerne die Röcke und ergötzte sich an dem, was der Herr ihm bereitet hatte.

Popel

Bis zu jenem Dienstag im Mai, als sie sich gestritten, und Marie ungewohnte Widerworte gegeben hatte. Ungebührlich für eine Pfarrhaushälterin. Später kochte sie Hochwürden seine Lieblingsspeise, wie es schien. Und wie er es roch. Gerührt schlich er dem Duft nach in die Küche, drauf und dran, ihr zur Belohnung die Röcke zu heben – aber da sah er, wie sie schnickte. Popel. Holte sie aus beiden Nasenlöchern und schnickte sie in die Suppe. Seine Suppe! Der Zorn des Herrn kam über ihn und Hochwürden Dr. Benno Kleinstiehl ersäufte seine Haushälterin im gusseisernen Suppentopf.  Der irdischen Gerechtigkeit entzog sich Hochwürden, indem er geschickt seine Tat vertuschte; was bei dem Tölpel von ewig besoffenen Dorfpolizisten auch keine Kunst war. Er hatte sich zudem eine Verteidigungsrede für den jüngsten Tag zurechtgelegt, die er seinem Herrgott entgegenschleudern würde. „Wie konntest du nur das Weib erschaffen!“ Und von dieser Frage ausgehend würde er predigen, was das Zeug hielt.

Ab auf die Ronneburg

Aber der Herrgott hatte andere Pläne, als sich mit Pfarrer Dr. Benno Kleinstiehl vor dem jüngsten Gericht herum zu schlagen. Er ordnete strenge Haft auf der Ronneburg an, nach dem Ableben des Pfarrers, der fürderhin als Gespenst Gespenstern sollte.

So sitzt also Dr. Benno Kleinstiehl in der Ecke der Burgkemenate, predigt wirres Zeug in Vorbereitung des Jüngsten Gerichts, das er eigentlich schon hinter sich hat und rührt in seinem gusseisernen Topf voller Kartoffelsuppe.

Echt penetrant, so im Vorübergehen missioniert zu werden, ohne dass der gespenstische Geistliche um Erlaubnis bittet. Und ohne, dass wir ihn sehen. Vielleicht sollten die beiden Geistlichen ja die Kammern tauschen. Da könnte der Missionar die Folterbank bekehren und der Gutmütige hätte seine Ruh‘ und ein Schälchen Kartoffelsuppe dazu.

Und dann noch ein derber Kerl

Schließlich wandert im Außenbereich noch ein derber Kerl umher, wohl ein Stallknecht, der fast den Gespenster-Verstand verliert – weil er nämlich immer von großem Durst geplagt ist und dort, wo er spukt, nur leere Schnapsflaschen herumliegen. Auch dem ist zu helfen; vielleicht legt eine barmherzige Seele einmal eine volle Pulle ins Gras. Dann hätte die arme Seele ihren Frieden.

Heimlich Nase bohren

Nur eines sollten wir beachten: Wer also einmal auf die Burg pilgert, der sei auf der Hut, dass er den Gespenstern nicht in die Quere kommt. Und er bohre nicht heimlich in der Nase – bei einem Gespenst käme das gar nicht gut an. Sie wissen, welches ich meine. Nicht, dass sie am Ende ihre Tage kopfüber in der Suppe beschließen. Mit Gespenstern ist nicht zu spaßen.

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....