Bruder Lustigs Nachtgedanken: Wie benutze ich einen Hundekotbeutel? Satire

Hundekotbeutel
Bild: pixabay.com/succo

Mit welchem Eifer sich manche Menschen darum bemühen, unser Leben und das unserer Vierbeiner zu verbessern, das zeigt uns der Brief von Studiendirektor Wickelmann. Er ist uns zugespielt worden. Satire.

Bartholomäus Wickelmann, Oberstudiendirektor, Am Storchenweiher 7,
47113 Popelsdorf

An die Stadtverwaltung
Popelsdorf
Popelsdorfer Allee 97
47111 Popelsdorf

Aktenzeichen Po-H/U/S 0815                Popelsdorf, 5. Dezember 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 1. Mai 2010 meldete ich bei Ihnen unter obigem Aktenzeichen meinen Berner Sennenhund mit dem Namen Bimbo an. Nun möchte ich Ihnen bekannt geben, dass Bimbo nicht mehr Bimbo heißt, sondern Bodo. Bimbo erschien mir als Name für einen Hund von einem Stockmaß von 69 Zentimetern nicht mehr passend. Ich muss zwar jetzt mit der Erziehung ganz von vorne beginnen, weil Bodo nicht auf Bodo, sondern auf Bimbo hört. Aber das nehme ich gerne in Kauf.

Es ist immer noch besser, als einem Riesenhund „Bimbo!“ hinterher zu rufen. Das soll Sie aber nicht weiter belasten, schließlich ist das meine Angelegenheit. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich Ihnen mit dem neuerlichen Aktenvermerk Arbeit verursache – ich schildere Ihnen das nur so ausführlich, damit Sie sehen, was meine Beweggründe sind. Auch ich habe meine Mühen mit dem neuen Namen meines Hundes.

Bimbo streichen, Bodo hinzufügen

Ich bitte Sie also, in Ihren Akten den Namen Bimbo zu streichen und Bodo zu ergänzen.
Mit der Bestätigung über die Hundesteuer sandten Sie mir seinerzeit auch ein Bündel Kottüten für meinen Bimbo, jetzt Bodo, zu. Sie sind braun und messen 20 mal 35,7 Zentimeter.

Auf der einen Seite sind mit heller Farbe drei Piktogramme aufgedruckt, welche Gebrauch und Entsorgung des Beutels schildern. Daneben ist ein Sigel „Der umweltverträgliche Hundekotbeutel“. Unten ist ein Cartoon eines schwanzwedelnden Hundes, darunter steht „Danke, Thank you, Merci, Grazie, Gracias“.

Leider teilten Sie mir nicht mit, wohin ich die gefüllten Kotbeutel werfen soll. Das entsprechende Piktogramm bleibt da seltsam unscharf. Der öffentliche Sammelplatz, den ich mittlerweile entdeckt habe (siehe beigelegtem Bild), scheint bei allen Anwohnern beliebt zu sein. Sie legen ihre verschlossenen Hundekotbeutel gestapelt an einen Baum.

Das erscheint mir sinnvoll, weil die Beutel ja angeblich „umweltverträglich“. An der Platane in dem Grünstreifen können die Beutel jedenfalls ungestört verwittern.

Darf Hundekot in den Mülleimer?

Leider las ich in der Hauptsatzung der Stadt Popelsdorf nichts darüber, welche Inhalte man in die öffentlichen Mülleimer beigeben darf. Gehört Hundekot dazu? Wenn ja, auch lose? Oder nur in Beutel verpackt? Dann wäre das ja eine Alternative zur geschützten Verwitterung der Beutel am Baum.

Wenn ja: Dürfen wir den Kot unserer Lieblinge nur in den offiziellen Hundekotbeuteln der Stadt Popelsdorf in die öffentlichen Mülleimer ablegen – oder dürfen es auch andere Beutel sein?

Über eine kurze Aufklärung des Sachverhaltes mittels Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Außerdem habe ich bei der Zusendung der Hundekotbeutel eine verständliche Gebrauchsanweisung für diesselben vermisst.

Hundekotbeutel ohne Verlust befüllen

Ich bin mit meinen 57 Jahren und als Sportlehrer des örtlichen Gymnasiums ja noch fit wie ein Turnschuh – wenn Sie mir die flotte Bemerkung erlauben wollen. Aber ich muss gestehen: Ich hatten durchaus meine Schwierigkeiten, den Hundekotbeutel zu befüllen; oder vielmehr, mit den Hinterlassenschaften meines Bimbo. Denn die Hundekottüte, die Sie ausliefern, hat einen recht geringen Durchmesser von jenen 20 Zentimetern. Ich bin wirklich ein geduldiger Mensch.

Das muss ich auch sein, wenn ich jeden Tag mit pubertierenden Halbstarken an der Schule zu tun habe. Aber es dauerte eine ganze Weile, ehe ich den korrekten Gebrauch der Hundekotbeutel so beherrschte, dass mein Bimbo, jetzt Bodo, den Beutel ohne größere Verlustmenge befüllen konnte.

Sehen Sie, es bedarf schon nahezu artistischer Fähigkeiten, bis ich den Dreh heraus hatte, die  geöffnete Hundekottüte meinem Bodo, damals Bimbo, unter den Hintern zu halten, wenn er sein Geschäft verrichtete. Schließlich beträgt der Durchmesser der Tüte nur   besagte 20 Zentimeter.

Und ein Hund, selbst ein Gemütshund wie mein Bimbo/Bodo, hält beim Kotieren nicht ganz still. Sein Hinterteil wackelt also. Sie können sich vorstellen, wie mühsam das ist, neben einem zusammengekrümmt kotierenden Hund auf Knien und Ellbogen zu liegen und zu versuchen, die Öffnung der Tüte direkt unter den Darmausgang des Hundes zu platzieren.

Der unpraktische Hundekotbeutel

Oft war mein Bimbo/Bodo von meiner Nähe einigermaßen irritiert. Und ruckelte ein Stück weiter, ehe er sich dazu herabließ, einen Haufen abzusetzen. So schnell kam ich oft nicht hinterher und hatte das Nachsehen. In solchen Fällen war dann also das Malheur geschehen. Ich absolviere mich von jeder Schuld, bei so unpraktischen Einrichtungen wie Ihrer Hundekottüte sind Sie, mit Verlaub, in der Pflicht, wenn hie und da ein Häufchen daneben geht.

Angesichts solcher Leibesübungen zum Auffangen des Hundekots sollte man sich in Ihrer Verwaltung sehr wohl überlegen, ob es wirklich gerecht ist, von den geplagten Hundebesitzern auch noch Hundesteuer zu verlangen.

Ganz abgesehen von den üblen Gerüchen, die man dabei aufschnappt – mit der Nase quasi auf gleicher Höhe wie der Darmausgang des Hundes. Über derlei Gerüche tröstet einen auch nur bedingt das Wissen hinweg, dass sie vom eigenen geliebten Bimbo oder Bodo stammen.

Ich liege auf Knien und Ellbogen

Und dann die Hinterlassenschaften anderer Hunde auf der Kackwiese unseres Viertels – oder meinen Sie wirklich, alle Hundebesitzeer hielten Ihren Vierbeinern die Tüte unter den Hintern? Weit gefehlt! Wie oft lag ich mit einem Knie oder einem Ellbogen oder gleich beiden in einer Hinterlassenschaft, die von Rechts wegen nicht da sein durfte, es aber war!

Ganz abgesehen von den mitleidigen Blicken meiner unsportlichen Nachbarn, wenn ich auf allen Vieren (den Ellbogen!) liege, die Hände nach oben strecke und versuche, mit dem viel zu kleinen Beutel den Hundekot aufzufangen.

Meine Nachbarin Herta Huckebein fragte mich schon, ob es mir gut gehe; oder ob er mir helfen könne, das scheinheilige Luder. Aber die wählt ja auch SPD.

Frau Kruse von schräg gegenüber

Ich fragte mich oft, wie das ältere Hundebesitzer schaffen, den Kot ihrer geliebten Vierbeiner aufzufangen. Etwa Frau Kruse vom Haus schräg gegenüber. Leider war es mir nie vergönnt, sie dabei zu beobachten. Möglicherweise gibt es in der Hundesatzung der Stadt einen Passus, der älteren Hundebesitzern das Halten der Hundekotbeutel erlässt. Er ist mir nur nicht bekannt. Ich bitte hier um Aufklärung.

Da aber der Herrgott uns Lehrern einen gewissen Verstand mitgegeben hat, habe ich mich angesichts der desolaten Lage, in die Sie mich mit Ihrer Verordnung gestürzt hatten, ebendieses Verstandes bedient – und eine Lösung gefunden. Sie ist so einfach, dass ich Sie mit dem heutigen Tage beim Patentamt in Berlin angemeldet habe. Es ist das  Hundekotbeutel-Halternetz.

Es ist dem kleinen Freizeitfischernetz unserer Kinder nachempfunden. Sie müssen nur den Hundekotbeutel öffnen, aufblasen und im Netz verstauen. Perfekt wird alles, wenn sie den Beutel mit zwei Wäscheklammern befestigen. Die besten Erfahrungen habe ich mit dunkelgrünen gemacht, die wirkend beruhigend auf den Hund.

Hundekotbeutelhalterung

Und schon können Sie, wenn er Hund sich anschickt, sein Geschäft zu machen, das Hundekotbeutel-Halternetz unter seinen Hintern halten.

Nun habe ich in diesem Zusammenhang aber ein Anliegen. Die Hundekotbeutel sind für handelsübliche Netze zu klein. Es fehlen zehn Zentimeter Durchmesser, um es komfortabel und vor allem verrutschungssicher mit den Wäscheklammern in dem Netz zu verstauen. Ich bitte Sie also, demnächst nur noch Beute der Breite von 30
Zentimetern auzuliefern.

Ich vertraue Ihrer Einsicht. Das ist nur ein kleiner Schritt für die Popelsdörfer Stadtverwaltung – aber ein großer für alle Hundebesitzer.
Ich danke für Ihr Entgegenkommen.

Ergebenst, Ihr

Wickelmann, Oberstudiendirektor