Bruder Lustigs Spinnerey – Regierungsform der Zukunft

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Wenn uns immer unbehaglicher wird und wir an der Demokratie mit ihrem Filz und der Menschenferne verzweifeln wollen, nähern wir uns der klammen Frage: Funktioniert Demokratie überhaupt? Hier wird uns noch mulmiger, weil wir die Demokratie bislang als die beste aller Staatsformen kennen. Doch keine Angst. Ein Blick ins Hanauer Land, in die beschauliche Gemeinde Ronneburg, zeigt uns: Demokratie wird überschätzt. Es geht auch ohne. Und wie charmant. Satire.

Warum sollte man sich in einer Demokratie mit diesen ganzen lästigen demokratischen Regeln abplagen?  Ist doch lästig. Wie es besser ohne das ganze Gedöns geht, das hat die Gemeindevertretung in Ronneburg gezeigt. Und zwar schon Anfang der 90er-Jahre im letzten Jahrtausend. Also weit ihrer Zeit voraus.

Gott in Hüttengesäß

Im Gemeinderat sitzen die Vertreter des Volkes munter beieinander, pflegen ein geselliges Beisammensein, dass man sich als Besucher wohl fühlt wie Gott in Hüttengesäß. Weil niemand nichts so tierisch ernst nicht nimmt. Warum auch? Man hat einen Weg entwickelt, die Gemeindeordnung  und damit das ganze Demokratie-Getue auszuhebeln. Man lässt sich nicht von lästigen Formalia stören!

Beim Vorschlag für die Liste des Haupt- und Finanzausschusses wird bereits der Vorsitzende ernannt: Peter Meffert. Manche im Ronneburger Parlament (wohl ein paar Neulinge) sind kurz ein wenig erstaunt darüber: Aber wir haben doch gar nicht gewählt! Eine übereifrige Sekretärin, grinst der Bürgermeister. Das sei nur als Gedächtnisstütze für ihn gedacht, damit er weiß, wie der alte Vorsitzende hieß. Gut, so ein Schultes hat viel um die Ohren, da vergisst man leicht, welchen Namen der langjährige Ausschussvorsitzende trägt.

Das erleichtert die Arbeit

Die Ronneburger Gemeindevertreter bringen also das Kunststück fertig, einen fix und fertig zusammengestellten Ausschuss zu haben, einschließlich Vorsitzenden, ehe sie darüber abstimmen, ob sie überhaupt ein solches Gremium haben wollen. Und wer anschließend drin sitzt. Das erleichtert die Arbeit ungemein. In dieser lästigen Staatsform Demokratie müsste es erst Vorschläge für die Besetzung des Ausschusses geben, dann eine geheime Abstimmung über jedes einzelne Mitglied desselben. Und schließlich die Wahl des Vorsitzenden. Wie aufreibend! Nein, das muss sich ändern.

Lassen wir doch künftig Sekretärinnen Listen erstellen, wer im Bundestag sitzt und wer in die Regierung darf. Und in den Landtag und in all die anderen politischen Gremien. Sekretärinnen kennen sich aus. Die machen das schon.
Ronneburg jedenfalls hat eine neue Form des Regierens erfunden, die prophetische Demokratie. Die Sekretärin ahnt schon vorab, wer in den Ausschuss gewählt wird und schreibt eine Liste. Und wenn es einmal Unstimmigkeiten gibt zwischen der Liste und dem Wahlergebnis – nun, so gilt die Liste. Denn eine Sekretärin hat immer recht. Die weiß ganz genau, wer ins Parlament gehört und wer nicht.

Willkommen also in der prophetischen Sekretärinnen-Demokratie. Wenn wir dann endlich das Potenzial dieser Regierungsform erkannt haben, wird sie niemand mehr aufhalten …

Mehr Satire: Laufleiste rechts …

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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