Bruder Lustigs Spinnerey – Räte mit Mission

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Was hilft gegen den Festtagsblues? Gegen all den Stress? Weihnachten ausfallen lassen! Zumindest das offizielle Gemeindeweihnachten? Das geht bei den Oberunterberger Gemeinderäten gar nicht – denn die haben beim Feiern eine Mission …

So, jetzt haben wir es fast geschafft. Die Lebensmittel für Weihnachten sind eingekauft, wir haben die Weihnachtskarten beantwortet von Leuten, die uns jedes Jahr schreiben, deren Karten uns jedoch wieder vollkommen überraschend ereilen. Auf unseren Karten tun wir so, als würden wir zuerst schreiben. Die Schwiegermutter ist auf dem Weg – fehlt nur noch die besinnliche Stimmung.

Zu viel Blutvergießen

Irgendwie stellt sich die immer schlechter ein, finde ich. Zu viel Arbeit, zu viel Stress, zu viel Blutvergießen vor Weihnachten, immer weniger Achtsamkeit, um es einmal spirituell auf den Punkt zu bringen. Und das ist schließlich des Trudels Kern, erinnern wir uns dunkel. Wenn wir die Sache mit dem Jesuskind nicht nur als pittoresken Farbtupfer sehen wollen. Wir folgen dem Beispiel unserer Freunde und versuchen es heuer mit möglichst wenig Weihnachten an Weihnachten – selbst der Baum muss dran glauben. Die Jungs sind wenig amüsiert und beschenken sich jetzt selbst. Vielleicht versöhnen wir sie ein wenig mit weihnachtlichem Essen. Das zieht immer.

Die ganze Situation erinnert mich etwas an die Zeit vor 30 Jahren, als ich in einer Art Selbstversuch Weihnachten völlig ausfallen ließ, auch mein Mütterchen nicht besuchte, sondern in München Taxi fuhr. Ich habe keinen Schaden genommen (vielleicht mein Mütterchen?) und sogar ganz gut verdient dabei.

Eine Feier ausfallen lassen?

Eine Feier ausfallen lassen? Damit kann ich den Damen und Herren Gemeinderäten aus Oberunterberg nicht kommen. Wer das ganze Jahr arbeitet, darf sich auch mal etwas gönnen. So ist die Jahresabschlussfeier inOberunterberg immer ein Glanzlicht. Nach der letzten Sitzung im Dezember, also im Jahr, geht es gemeinsam in ein Restaurant.

Lockere Gespräche sind angesagt, dazu Essen und Trinken à la carte. Lasst euch nicht lumpen, Leute, die Gemeinde übernimmt.

Und bei diesen Gelegenheiten ist ein erstaunlicher Wandel zu beobachten: Gemeinderäte, die das ganze Jahr über knallhart sparen, um jeden Cent für die Allgemeinheit ringen, werden an einem Abend im Spätjahr zu Feierbiestern. Manche haben den ganzen Tag über nichts gegessen und verschlingen wahre Berge an Suppe, Salatplatten und Menüs. Mehrere Menüs, mit Bergen von Steaks, Bergen von Pommes. Unglaublich, mit welcher Körperbeherrschung manche Oberunterberger Gemeinderäte ausgestattet sind. So viel zu essen kann keinen Spaß machen, das ist Arbeit mit eiserner Disziplin, es muss einem höheren Zwecke dienen. Und hier ist er, der Zweck: Die Oberunterberger Gemeinderäte testen, wie belastbar der Haushalt wirklich ist, um eventuelle Schwachstellen bei nächster Gelegenheit weg zu verhandeln. Andererseits: Wenn der Haushalt eine solche Feier finanziell übersteht, wird ihn nichts erschüttern. Clever gemacht. Und immer im Dienst der Allgemeinheit, die Gemeinderäte.

Ich bin nicht dabei

Ich weiß auch, wer nächstes Jahr nicht mehr dabei sein wird beim Teste-den-Haushalt-Essen: ich. Erst zicke ich rum und gebe den Asketen (Wasser und Salat), dann plaudere ich aus dem Nähkästchen und petze. Naja, Journalisten eben.

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....
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