Bruder Lustigs Spinnerey – Mathe, Cheeseburger, geil

Diese Richtung, dann immer gerade aus – bis zu den Käseburgern. Foto: Klaus Krüger

Was haben Mathe und 80 Cheeseburger gemeinsam? Keine Ahnung? Jetzt lesen! Satire …

Es soll ja Menschen geben, die Mathe mögen. Das sind dann die Leute, die später mit verdrehten Extremitäten vor pubertierenden Nullcheckern stehen und ihnen Mathe beibringen wollen. Lehrer ist wirklich ein spannender Beruf. Vor einiger Zeit gab es tatsächlich die Chance, die Lösungen des Mathe-Abiturs in Baden-Württemberg online einzusehen – leider erst nach dem Abi. Aber immerhin, ein Anfang ist gemacht.

Für mich war Mathe immer ein Buch mit sieben Siegeln; und sie taugte nicht für mein Leben. Nur, wenn sie die Pfade der profanen Rechnerei verließ und sich philosophischen Fragen zuwandte, hatte sie meinen Respekt.

Was macht Mathe so?

So, und jetzt schauen wir einmal, wofür wir Mathe im richtigen Leben brauchen.

Ingenieure, Kneipiers und Mathematiklehrer sollten rechnen können. Klar. Für alle anderen wird sich nie erschließen, warum 2 und 2 ausgerechnet 4 ergibt – wo doch jeder weiß, dass es auch 5 sein könnte, man müsste es nur so festlegen. Mathematik ist nun einmal nichts Natürliches, sondern eine Konvention.

80 kleine Cheesebürgerlein

Gut, lassen wir das Lästern, kommen wir zu etwas völlig anderem – zur praktischen Anwendung der Mathematik, dem Rechnen. Nehmen wir 80 Cheeseburger. 40 von ihnen lagen am Samstagfrüh auf der Waltersweierer Lindenstraße; fast liebevoll über die Straße hinweg drapiert, jedes einzelne Brötchen noch mit einer weißen Papierserviette als Unterbodenschutz versehen. So, wie sie da lagen, könnte man fast an ein politisches Manifest denken; oder eine künstlerische Abart der Fettecke à la Joseph Beuys – quasi der Waltersweierer Käse-Überweg. Alleine, es fehlte jeder Hinweis auf den Künstler oder Polit-Aktivisten – kein Flugblatt, am Gartenzaun befestigt, keine anderweitig angebracht Parole. Ein Freund von mir mutmaßte, da wollte jemand seine Freundin retten, die an Bulimie leidet und ihr eine schmackhafte Brücke in ein glückliches, wohlgenährtes Leben bauen. Naja, vielleicht.

Die Wette der jungen Leute

Doch kehren wir noch einmal zur Mathematik zurück und ringen ihr ein wenig Sinnenhaftigkeit ab – rechnen wir also. Drei junge Herren Anfang 20 hat McDonalds-Manager Nikolaus Sauer in der fraglichen Nacht als Käufer von 80 Cheeseburger ausgemacht. Das hat er uns verraten. Er mutmaßt, sie hatten eine Wette laufen, wer am meisten verdrücken kann. Da wird uns doch schon, ohne dass wir gerechnet haben, leicht blümerant. Das sind ganz schön viele Burger pro Nase, nicht wahr? Genau: 26,666666. Stellen Sie sich das illustriert und in Farbe vor. Ich gelte bei meinen Söhnen als verfressen (reiner Futterneid!), aber ich glaube, mir würden schon sechs oder sieben Brötchen reichen. An 26,666666 möchte ich gar nicht denken.

Nun sind aber 40 in Waltersweier aufgetaucht. Folgen wir also Sauers These, haben die drei Jungs nur 40 geschafft und die anderen 40 über die Lindenstraße gelegt. Nur ist gut – das würde pro Nase immerhin 13,3333333 Cheeseburger bedeuten.

Mathe ist doch nützlich

Ich bin mal gespannt, ob sich das mit den Cheeseburgern noch aufklärt. Im Grunde ist es dann doch, ganz unmathematisch, eine Sauerei. Auch Cheeseburger sind Lebensmittel. Und stellen wir uns nur mal vor, einen Radfahrer, der die Burgerwanderung nachts zu spät sieht, donnert es der Länge nach hin. Nicht lustig!

Doch jetzt ist es natürlich an der Zeit, mich bei Mutter Mathematik zu entschuldigen – in kleinen Dingen wie dem Ausrechnen von Cheeseburgern ist sie durchaus nützlich – und der Rest ist sowieso Philosophie. Danke, Mathematik, jetzt hast du Feierabend.

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Über Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....