Bruder Lustigs Spinnerey – das feuchte Herz

Im Advent über den Kaufrausch zu lästern (und schon alle Geschenke im Schrank versteckt haben), ist billig. Nicht mit uns. Wir bleiben subtil.

Im Advent wird manchem vor lauter Hektik so schwindelig, dass er vorzeitig die Glöckchen bimmeln hört. Ob die am Schlitten des Weihnachtsmannes oder andere, das lassen wir dahingestellt. Wir wollen hier auch nicht über den Kaufrausch zur Unzeit lästern. Nein. Und nicht darüber, dass die christliche Botschaft vielleicht etwas anderes gemeint haben könnte, als Weihnachtsfeiern, Glühwein und Weihnachtsgeschenke im Viervierteltakt. Ich bin schließlich kein Prediger auf einsamem Hügel. Was er zur Adventszeit so treibt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Und so lange vielen Politikern zur Wirtschaft nichts anders einfällt, als immer noch mehr Konsum zu verordnen – so lange ist mein Stimmchen eh ein Pfeifen im bösen, kalten Winterwald.

Die glänzenden Kinderaugen

Lassen wir das. Wenden wir uns lieber einem anderen Aspekt der Adventszeit zu, den selbst ich nicht leugnen kann: den vielen Lichtern, dem Duft nach Glühwein, Punsch und Weihnachtsplätzchen. Und den berühmten glänzenden Kinderaugen. Ach, der Advent ist auch all das. Und eines muss selbst so ein Miesepeter wie ich zugeben: Der Advent wärmt das Herz. Je älter das Herz wird, desto mehr. Und zur Adventszeit gehören die vielen Märkte dazu – ob in Altenheim oder in Hofweier. Von einem dieser Märkte hat uns Bienenpapst Paul Zimmermann selig eine etwas andere Adventsgeschichte mitgebracht. Ich hoffe, auch sie erwärmt unser Herz:

Ein Opa besucht mit seinem Enkel einen Adventsmarkt und wie es sich gehört, kaufte er ihm ein Honiglebkuchenherz, das sich das Kind stolz umhängt. Nach einer gewissen Zeit sagt es: »Opa, ich muss mal Pipi machen.« Darauf der Opa zu ihm: »Da gehst du gerade hinter die Lebkuchenbude.«

Nicht ganz korrekt

Das mag ja nun politisch nicht korrekt sein, einfach hinter irgendwelche Buden zu strullern. Wir wollen aber nun mal – Advent, Advent – die Äuglein zudrücken und weiter zuhören:

Also, der Knabe geht ab und verrichtet sein Geschäft. Nach einer Weile kommt er weinend hinter der Bude vor und klagt: »Opa, das Lebkuchenherz ist beim Pipi machen nass geworden.« Darauf der Opa: »Das ist nicht schlimm, da kaufen wir halt ein neues.« Der Enkel: »Was machen wir jetzt mit dem nassen Lebkuchen?« Opa abschließend: »Den bringen wir einfach der Oma mit, die mag ihn feucht, sie tunkt ihn sowieso in den Kaffee.«

Und was lernen wir aus der Geschichte? Man(n) muss sich nur zu helfen wissen. Ich möchte mir aber nicht vorstellen, was Oma mit Opa macht, wenn sie das herausbekommt.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....
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