Bruder Lustigs Nachtgedanken: Diesel – Satire

Diesel

pixabay.com/Tanja Richter

Der Dieselmarkt kocht. Milliardenstrafe für VW wegen ihrer Manipulation der Messsoftware. Und nun kommen auch noch andere Autobauer in Verruf. Da keimt bei mir der Verdacht auf: Dieselkraftstoff gehört in kein Auto.

Manche Dinge ändern sich nie. Der Diesel etwa. Es war von Anfang an eine Schnapsidee, Diesel in Autos zu verfeuern. Man kann nicht gerade behaupten, dass Benzin umweltpolitisch ein Segen ist; aber Diesel? Der Stoff gehört in Tanker, Bagger oder Panzer. Aber Pkw? Nie und nimmer. Nur war es jahrzehntelang so, dass der Stoff – aus welchen Gründen auch immer – für nahezu rückstandslos rein galt, und mancher Dieselianer sein Schlachtschiff morgen anwarf und abends abschaltete; und zwischendrin laufen ließ. Weil Diesel kaum etwas kostete und ein Dieselmotor kaum etwas verbrauchte. Wie viele Auslieferer und Bauhofarbeiter machen das heute noch so? Diesel ist ja so lieb zu Mutter Natur …

Die Forscher entdecken den Feinstaub

Bis die Forscher Feinstaub und Stickoxide entdeckten und mit Diesel in Verbindung brachten. Und siehe da, plötzlich zauberte die Politik Rußfilter und Grenzwerte aus dem Hut, und die Hersteller rüsteten die Diesler um. Mit Katalysatoren, die bezeichnenderweise oft mit Harnstoffsäure arbeiten. Manche Lästermäuler sagten schon damals: Das klappt nie! Dieses stinkende, klebrige Zeug wird nie sauber. Auch nicht mit Harnstoff. Da treibt man den Teufel mit dem Beelzebub aus.
Nun ja, der VW-Skandal (andere Hersteller sollen auch Dreck am Stecken haben) zeigt vielleicht auch, dass sauberer Diesel eine Illusion ist – denn der Katalysator arbeitete nur in der Werkstatt, beim Abgastest. Ansonsten war er abgeschaltet. Einen Autofahrer kann man natürlich nicht zumuten, regelmäßig Harnstoffsäure nachzufüllen.
Wie dem auch sei, der Diesel wird mein Herz nicht mehr erobern. Ich fahre Rad. Und was ich da rieche, ist eine katalysatorfreie Unverschämtheit.

 Verwirrte Autofahrer

Ach ja, da kommt noch was über den Ticker (ots) rein: Der Automobilkonzern Ford hat sich in den vergangenen Tagen bei einigen Diesel-Tankern unbeliebt gemacht. Auf den Zapfpistolen hatte Ford den Slogan „DIE Ruhe SELbst“ platziert und damit Autofahrer verwirrt. Viele Autofahrer haben daraufhin ihren Wagen mit Normalbenzin statt mit Diesel betankt. Das berichtet das führende deutsche Marketingmagazin w&v – werben und verkaufen in seiner aktuellen Ausgabe. Die Autofahrer tankten falsch. Warum nur? Diesel gehört in kein Auto – deshalb.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....