Brandt, Mike: James K. in: Vampire!

Vampire

Bild: pixabay.com/Cari R.

Tolle Idee, eine brillante Grafik, aber leider eine etwas zu spontan fabulierte Geschichte – das sind die Zutaten dieses Romans.

Kein Kinderroman

Zunächst einmal sei mit einem kleinen Irrtum aufgeräumt: Ein Kinderroman ist das nicht. Der Selbsttest hat ergeben: Selbst lesefreudige und aufgeweckte Zwölfjährige finden sich nur schwer in die Denkwelt des Autors Mike Brandt ein.

Atemberaubende Volten

Das ist auf den ersten Blick verwunderlich – denn eigentlich sind die wilden Abenteuer des James K., Spion des Kanzlers, in ihren wilden Szenenschnitten sehr dem heutigen Kinderfernsehen nachempfunden. Auch in ihrem Irrwitz als fabulierte Geschichte gibt es unzählige Parallelen. Und wer sich gerne treiben lässt und sich von atemberaubenden Volten und Purzelbäumen der Fantasie in Bann schlagen lässt, der hat durchaus Vergnügen an diesem Buch.

Kinder verstehen es kaum

Aber Kinder verstehen viele Anspielungen nicht – das fängt schon mit dem Helden, der Kakerlake James K. an. James? Klar, das ist eine Persiflage auf 007. Auch sein genial auf die Insektenwelt heruntergebrochenes Agenten-Arsenal, zur Verfügung gestellt vom Tüftler P., erinnert an den Geheimagenten ihrer Majestät. Aber das geschieht eben nicht bei den jugendlichen Lesern – erst nach langwierigen Erklärungen kommt „Ach soooo ist das, haha.“ Ein Kinderbuch, sofern es kein Vorlese-Buch ist, sollte aber für Zwölfjährige ohne einen Papa auskommen, der es übersetzt.

So geht die Persiflage weiter

Und so geht die Persiflage munter weiter, wird die Welt der Piraten (die in einem Computerspiel entsprungen sind) und der Vampire gefleddert, auf den Kopf gestellt und verlacht. Und am Ende haben sich die Helden aus allen Gefahren gerettet. Und die Leser hängen zwischen Lachen und Kopfschütteln herum. Lachen, weil die Witze wirklich oftmals erstklassig sind. Und die Fantasie des Autors ist es auch. Kopfschütteln, weil sich so gar keine zusammenhängende Geschichte entwickeln will. Und auch das ist für Kinder schlecht. Sie wollen eine Geschichte. Sie fordern einen Sinn – worum dreht es sich denn hier?

Roman mit Fortsetzung

Da reichen nicht Feuerwerke gute Ideen – etwa, wenn der Nordwind entführt wird und die Helden – Menschen wie Tiere – aufbrechen, um ihn aus den Fängen der Piraten zu befreien. Schlecht ist schon mal, wenn das erste Buch endet mit der lapidaren Feststellung „Fortsetzung folgt“. Denn am Ende von Buch 1 sind die Piraten kaum ansatzweise in Sicht gekommen. Auch das ist schlecht für Kinder – die wollen ein Buch zumachen und wenigstens eine Geschichte abgeschlossen haben. Und für Erwachsenen ist es ebenfalls unbefriedigend.

James ist kein Held

Was ganz schade ist: Unser Held James K. ist kein Held. Gut, es soll eine Persiflage sein, die Demontage des großen 007. Und am Anfang ist es schon recht witzig, wenn die Kakerlake bei Gefahr immer wieder vor Schreck umfällt. Aber so gänzlich Antiheld, so einer, von dem gar kein Impuls zur Bewältigung der Gefahren in der Geschichte ausgeht? Das klappt eher nicht. Das ist einer der Gründe, warum aus den vielen guten Ideen keine Geschichte entsteht. Die Helden einer Geschichte müssen die Schwierigkeiten überwinden – hier kommt die Lösung entweder aus der unerwarteten Ecke (wenn ein Glühwürmchen über sich hinaus wächst und zum Retter wird). Oder es geschieht zufällig.

Ein Gott aus der Maschine

Wie Deus ex Machina – aber das lernen wir schon in den Grundkursen fürs Geschichte schreiben: Der Held muss die Hürden überwinden und die Konflikte lösen, nicht der Zufall.
Dazu passt, im negativen Sinn, dass es keine Perspektive gibt – der Roman ist einmal aus der Sicht der einen, einmal aus der Perspektive der anderen Person geschrieben. Meist, ohne dass sich für die jeweilige Blickwinkel eine zwingende Erklärung gibt.

Durchaus reizvoller Märchenroman

Wie gesagt – der Roman hat durchaus reizvolle Stellen. Es ist wohltuend, dass sich hier ein kleiner Verlag eine aufwändige und schöne Grafik geleistet hat. Eine professionelle dazu. Aber der Roman hätte einfach ein ebenso professionelles Lektorat gebraucht. Und einen Autor, der ihn noch mindestens dreimal scharf zu überarbeitet hätte.
Unterm Strich bleibt eine amüsante Lektüre. Und wer es nicht ganz so puristisch sieht, der hat hier seinen Spaß dabei …

Mike Brandt, James K. in: Vampire!, Gebundene Ausgabe: 206 Seiten, Drachenmond Verlag; 1. Auflage 2008,ISBN-10: 9783931989361, ISBN-13: 978-3931989361, 14,95 Euro.

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

Kommentar verfassen