Blechschmitts Welt: Migräne ist ein teuflischer Zustand

Migräne, Satire

Bild: pixabay.com/Gerd Altmann

Migräne ist eine teuflische Sache. Doch noch teuflischer sind manche Pillen-Bienen in den Apotheken …

Satire

Da ist sie wieder, die Migräne

Seine Gattin hat Migräne. Das sieht Blechschmitt sofort, als sie an den Frühstückstisch kommt. Die Arme guckt, als wären ihr die Augen im Kopf verrutscht. Zudem versucht sie, mit spitzen Fingern die Hirnschale zu durchbrechen, um einen Gegenschmerz zu erzeugen. Ihre Sprache ist verwaschen. Blechschmitt bedauert sie und ist heilfroh, dass er keine Migräne hat.

Ein braver Ehemann – das ist Blechschmitts Welt

Er ist ein braver Ehemann und holt seiner Gattin am Morgen die letzte Pille des sündhaft teuren Migränemittels aus dem Medizinschrank. Und dann Nachschub in der Apotheke.
Es sind sowieso nur zwei Pillen in einer Packung – zu den riesigen Nebenwirkungen fressen Sie die Packungsbeilage und erschlagen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Die attraktive, aber offensichtlich recht einfach gestrickte Apothekenhelferin fragt, ob das Mittel für Blechschmitt sei.
„Nein, für meine Frau.“

Riesige Nebenwirkungen

„Und Ihre Frau weiß, wie sie das Mittel nehmen muss? Es ist nämlich nicht so ganz ohne.“ Sie rattert herunter: „Kribbeln, Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Unwohlsein, Müdigkeit, Hitzegefühl, Sehstörungen, verlangsamter Herzschlag, Herzrasen, Herzklopfen, Schweregefühl, Schmerzen, Druckgefühl, Engegefühl, Blutdruckanstieg, allergischer Schock, Krämpfe der Herzgefäße, Angina pectoris, Dickdarmentzündung durch Minderdurchblutung, Hautausschlag, Nesselsucht, Juckreiz, Wassereinlagerungen in das Gewebe im Gesicht, Durchblutungsstörungen der Arme und Beine, Herzinfarkt.“
Blechschmitt antwortet trocken: „Ich weiß. Geben Sie mir bitte zwei Packungen.“
„Z-w-e-i?“
„Ja, zwei. Mein Frau nimmt die Pillen schon ein paar Jahre lang.“
„Ein paar Jahre!“, röchelt die Pillen-Biene und bekommt Stielaugen. „Aber Ihrer Frau geht es noch gut?“
Blechschmitt: „Nein.“
„Was fehlt ihr denn?“
„Sie hat Migräne.“
Von der anderen Seite der Verkaufstheke kommen leise Gurgelgeräusche.
„Haben Sie einen Arzt?“, fragt die Dame hinter der Theke.

Der Arzt hat sich entleibt. Das ist auch Blechschmitts Welt

Das ist heute aber ein zähes Geschäft, denkt Blechschmitt. Ich will doch nur vier frei verkäufliche Pillen für mein Weib erwerben. Warum geben sie die Pillen frei, wenn sie sich dann so anstellen? Laut sagt er: „Nein. Unser Arzt hat sich das Leben genommen.“
Nun glotzt die Pillen-Biene hemmungslos, beginnt zu geifern. Blechschmitt rechnet sich derweil aus, wie viele Ärzte aus seiner Stadt man wohl mit dem Inhalt der Apothekenschränke im Halbdunkel dort hinten umbringen könnte. Würde sich lohnen.
„Das Leben genommen?“, röchelt die Pillen-Biene fassungslos. „Wie das?“
„Mit Pillen. Aber es waren keine Migränepillen. Es waren Abführmittel. Hat sich tot geschissen. Aber ich glaube, die Ladung Pillen stammte nicht aus Ihrem Haus.“
„Äh. Aha. Und warum hat sich Ihr Arzt tot ge … äh, umgebracht?“
„Hatte Migräne. Und keine Migränepillen mehr. Bekomme ich jetzt das Mittel? Zwei Packungen. Oder wollen Sie, dass sich meine Frau auch entleibt?“
Die Pillen-Biene glotzt immer noch hemmungslos.
Blechschmitt bleibt geduldig: „Ja?“
„Wie?“, fragt die junge Frau.
„Das Mittel – bekomme ich zwei Packungen davon?“
„Welches Mittel?“
„Gegen Migräne.“
„Gegen Mi, äh, gräne. Ja natürlich. Selbstverständlich. Sofort. Es ist ja frei verkäuflich.“
„Sag ich doch“, brummt Blechschmitt. „Also, geht doch“, fügt er leise hinzu, als die Pillen-Biene zum Apothekenschrank taumelt.

Jeremias Blaumilch

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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