Bertram, Ben: Männertour

Männertour

Bild: pixabay.com/Speedy McVroom

Drei Männer auf der Suche nach Freiheit (auch vom Liebesschmerz) – das ist Ben Bertrams Männertour.

Etwas zäher Einstieg

Männertour, aha, das kann ja was werden, dachte ich mir, als ich das Buch in Händen hielt. Zunächst ein eher zäher Einstieg mit Verschlafen, jeder Menge Milchkaffee und diversen Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln, war ich ein bisschen gelangweilt, als es aber dann losging mit der Tour, wurde ich versöhnt.
3 Männer auf der Suche nach Freiheit, der Heilung vom Liebesschmerz, und im Gepäck eine Schildkröte, machen sich für vier Monate vom Acker. Rauf in den Norden, ans Meer. Nun zieht das Buch an mir, wie wird es den Kerlen ergehen, werden sie nur saufen, Mädchen aufreißen, oder etwas kennenlernen, was sie bisher vermisst hatten?

Es ist die Sehnsucht

die Männer gern unter Muskeln verstecken. Doch in jedem von ihnen wohnt auch der kleine Junge, der Ängste hat, der geliebt werden möchte, so wie er ist. Hinterm Witze reißen, Saufen, plumpe Anmache steckt eine äußerst sensible Struktur, die zittert vor Furcht, verletzt zu werden. Und natürlich werden die Kerle verletzt. Oft, weil sie nicht genau wissen, wie man dem weiblichen Geschlecht umgehen soll. Das Drama des Lebens.
Bertram weiß das. Zeigt es an den dreien auf Tour. Nicht vordergründig, nur im Subtext kann man das wahrnehmen, denn nach außen plätschert die Geschichte oft humorvoll, manchmal kindisch (jaja, Männer). Man muss schon genau lesen, um dahinter oben genanntes zu sehen. Aber es ist da.

Stilistisch

wäre das Buch allerdings noch ausbaufähig, nicht alles ist so detailliert erwähnenswert, wie es dasteht, manchmal ist der Plauderton hart am Tagebucheintrag, was die Frische, die durchaus vorhanden ist, ein wenig unterminiert. Etwas knapper wäre an einigen Stellen wünschenswert. Hier und da würde es dann rauer und spröder werden, was einer Männertour nicht schaden könnte. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

Bedauerlich

ist manches an der Buchausführung. Ein paar Fehler sind eingebaut (oder nicht ausfindig gemacht worden) und dann die Anführungsstriche für die direkte Rede, aus der Großteile des Buches bestehen! Merkwürdige << rahmen die Dialoge ein, aber nicht immer, manchmal sind jedoch auch die gängigen „ vorhanden. Keine Ahnung, warum das so formatiert und vor allem keine Entscheidung getroffen wurde, welche Zeichen denn nun erwünscht sind. Es raubte mir teilweise die Lesefreude. Der Verlag täte gut daran, das Problem in einer weiteren Auflage zu bereinigen. Beim eBook wäre es ja gleich behebbar.

Dennoch alles in allem

ein lesenswertes Buch, in dem man recht gut die Gefühle der Männer kennenlernen kann nach dem Motto: Es ist nicht alles so, wie es scheint. Oder mit Grönemeyer gesungen:
Männer weinen heimlich,
Männer brauchen viel Zärtlichkeit,
ohh Männer sind so verletzlich,
Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich.

Und das ist schön, kommt wunderbar raus in Ben Bertrams Roman.


Elsa Rieger 


Ben Bertram, Männertour, Traumstunden Verlag, ISBN:  9783942514231

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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