Ayckbourn Alan: Theaterhandwerk

Bild. Clker.com

Das Theaterhandwerk ist ein schwieriges – Alan Ayckbourn zeigt, sie man gute Theaterstücke schreibt. Und wie man sie erfolgreich aufführt.

Regeln für das Schreiben

Sind Regeln beim Schreiben selbstverständlich? Wohl kaum – sonst würden die einen Schriftsteller nicht so einen ausgemachten Bockmist schreiben, während die andere erfolgreich sind. Wobei damit nicht gesagt ist, dass die Erfolgreichen nicht auch Bockmist schreiben – es merkt nur keiner. Oder sie reffen auf wundersame Weise einen Nerv des Publikums. Und werden deshalb geliebt.

Schriftsteller misstrauen dem Erfolg

Es gibt viele Schriftsteller, die misstrauen dem Erfolg grundsätzlich – meist aber deshalb, weil sie selbst keinen haben. Und die launische Muse nur immer bei den anderen einkehrt.
Es ist jedermann freigestellt, wild und ohne Regeln drauflos zu schreiben. Und sich selbst genug zu sein. Und vielleicht finden sie ein oder zwei Freunde, die ihre Elaborate auch mögen.
Für alle anderen, die fürs Publikum schreiben (und wer wollte sich nicht mitteilen?), gelten die Regeln durchaus. Ihre Texte sollte das Publikum ansprechen und ihm nicht die Zeit stehlen. Und sie sollte eine Botschaft haben. Denn ist es nicht unverschämt, jemanden vollzutexten, ohne etwas zu sagen?

Ein Haufen Regeln für Autoren

Es gibt noch einen Haufen anderer Regeln. Wer sich für ein gutes Buch über Schreibregeln interessiert, der lege sich Lajos Egri, Dramatisches Schreiben, zu. Das ist ein wundervoller Ratgeber nicht nur für Theater- und Film-, sondern auch für Romanautoren.
Wenn wir akzeptieren, dass Kunst von Können kommt, dann werden wir auch einsehen, dass Schreiben in erster Linie Handwerk ist. Die Zahl der Autoren, die sich vom Genius zu großen Werken führen lassen, ist arg überschaubar. Und meist gelingt ihnen dann ein Werk – und kein zweites mehr. Dazu müssten sie ja Regeln beherrschen …
Gut. Genug der Vorrede, dass Schreibschule durchaus ihren Sinn haben. Denn hier lernen wir, den Personen Tiefe und der Handlung Spannung zu geben.
Ein wichtiges Buch fürs Theaterstücke schreiben und aufführen gleichermaßen hat Ayckbourn vorgelegt.

Ayckbourn schreibt locker und witzig

Der 1939 in London Geborene hat auch in beiden Gebiete Erfolge gefeiert. So ist das Buch ein wundervolles, zweigeteiltes Kompendium, das den ganzen Bogen vom Scheiben zum Inszenieren abdeckt. Wie bringe ich Ort, Zeit und Personen unter einen Hut? Wie baue ich eine spannende Handlung auf? Wie wichtig ist das Bühnenbild? Wie fessele ich die Zuschauer?
Das alles schreibt Ayckbourn in wirklich lockerem, lustigem Stil. Das Buch ist für Theaterautoren sehr zu empfehlen.
Obwohl er sich in einer fundamentalen Überzeugung von Egri unterscheidet: Ayckbourn outet sich als Anhänger Aristoteles. Der war der Überzeugung, beim Theater bestimme die Handlung die Personen.
Quatsch, antwortet Egri: Wer anders als die Personen treiben die Handlung voran? Also kommt es entscheidend auf deren Charakter an.
Ich bekenne: Ich bin flammender Egrianer; zugegeben. Das hält mich aber nicht davon ab, Ayckbourns Buch toll zu finden und es wärmstens zu empfehlen. Mir persönlich ist es egal, ob einer der Handlung oder der Personen das Primat erteilt. Hauptsache, der Plot ist spannend und wird von Personen mit Ecken und Kanten vorangetrieben.

Ayckbourn Alan: Theaterhandwerk, Alexander Verlag; Auflage: 2., Aufl. (1. April 2006), ISBN-10: 3895811440, ISBN-13: 978-3895811449.

 

 

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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